2019 Mai/Juni

Erster Reiseabschnitt: 

Lunenburg, Nova Scotia - St. John´s Newfoundland 

10.5.

ARIEL hat den  kanadischen Winter in Lunenburg/ Nova Scotia unter Betreuung der  LIFE-Lunenburg Industrial Foundry & Engeneering (ist eine richtige Werft, die auch Winterlager anbietet) wohlbehalten überstanden.

Nun müssen die mitgebrachten Ersatzteile eingebaut werden, das Unterwasserschiff geschliffen und gestrichen werden, die Segel wieder geriggt werden ... und noch tausend Dinge mehr. 

Lunenburger Frühlingserwachen

Von meiner Pension habe ich einen bei gutem Wetter einen verlockenden, bei Regen eher gedämpften Ausblick aufs Wasser. 

Das Frühjahr ist hier deutlich später dran als bei uns, es fangen gerade die Forsythien zu blühen an.

Mal sehen, wann es mit dem "launching" klappt!


Donnerstag, 16. Mai 2019

ARIEL schwimmt wieder!

Nach einer Woche Schrauben, Schleifen, Schweißen (nein, nicht schwitzen bei 4 Grad C) und  Malen ging’s heute morgen wieder ins Wasser. Natürlich hatte ich den Motor schon einmal „trocken“ laufen lassen, so daß ich dann auch zügig zum Wasserliegeplatz am Scheitel der Bucht abfahren konnte. 

Der YB - Tracker ist jetzt wieder eingeschaltet und sendet alle 24 Std. um 00:00 UTC meine Position. 

Abschließend kann ich sagen, daß die Lunenburg Foundry einen sehr kompetenten Eindruck machte (ist ja eigentlich eine Reparaturwerft für „richtige“ Schiffe). Ganz besonders gefiel mir die ungezwungen freundliche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft aller Leute.  

 

So gehen die Profis zu Wasser

   

Nun mache ich noch in den nächsten Tagen das Schiff reisefertig und dann geht’s je nach Wetter weiter.


Samstag, 18. Mai 2019

Das Tief scheint durchgezogen zu sein.


So die Segel sind angeschlagen, die Vorräte aufgefüllt und die wesentlichen Vorbereitungen abgeschlossen. Ein kräftiges Tief warte ich noch ab und dann heißt es Abschied nehmen vom schönen Lunenburg.

Zum Abschluss habe ich doch noch Neues in Lunenburg gefunden! Wer hätte gedacht, daß hier ein richtiges Stück Berliner Mauer steht? Meine Recherche (na, ehrlich gesagt ein paar Klicks im Internet) hat folgendes ergeben:

The historic old town Lunenburg with its picturesque facades and streets is on the UNESCO list of world cultural heritage. On the edge of this neighborhood, beside the historical Lunenburg Industrial Foundry & Engineering, a section of the Berlin Wall has been standing since the late 1990s.

 

 

 

 

 

 

 

 

The Kinley family runs the foundry since the mid 19th century; the present generation is represented by Peter Kinley. His father James J. Kinley brought the segment in the late 1990s to Lunenburg to underline the German origins of the place and to build bridges to the reunified Germany. James J. Kinley, who passed away in 2012, was a decorated navy veteran, entrepreneur, philanthropist and from 1994-2000 Lieutenent Governor of Novia Scotia.


Und dann noch dieses: Auf dem Weg zum Supermarkt fiel mir das dieses Schild einer Auto-Waschanlage auf.

Werden auch Hunde in der Waschanlage gewaschen??????

 Das mußte ich mir natürlich anschauen. Die Bilder sind selbsterklärend.

...wenn das gute Tier denn auch wirklich FUREVER CLEAN ist, sind die 10 $ gut angelegt!



Sonntag,19. Mai 2019


Am Sonntagmorgen lege ich nun in aller Stille bei schönem Wetter In Lunenburg ab.

Ein letztes mal zieht die malerische Kulisse der bunten Holzhäuser mit ihren Bögen, Erkern und vielfach gegliederten Dächern an mir vorbei. Ganz darüber thront, fast wie ein Schloß, die imposante Lunenburg Academy. Die BLUENOSE, das Aushängeschild der Stadt und ganz Nova Scotias holen gerade Freiwillige zusammen mit der Stammbesatzung aus dem Winterschlaf. Überall wird auf dem Schoner geputzt und gewienert. Tschüss, schön, daß ich das kennenlernen konnte!

"nerv wracking long line"

Bei Fastflaute tuckere ich neuen Zielen entgegen. 

Nun hatte ich ja gehofft, dem Lobster Wahn nach Maine entkommen zu sein! Da tauchen doch schon wieder solche bunten Bojen vor mir auf. ich schaue ins Wasser und krieg´ fast einen Schlag! Da läuft doch eine Schwimmleine ca. 20 m flach durchs Wasser, bevor sie dann endlich auf Tiefe zum Hummerkasten abzieht! Je nach Wind und/oder Tidenstrom geht das in die eine oder andere Richtung. Trotz intensiven Ausschauens, auch mit dem Fernglas, tauchen diese Dinger immer relativ kurzfristig, das heißt so etwa 50 m vor dem Schiff, wie aus dem Nichts vor ARIEL auf. 

Nix mit gemütlich lesen, träumen oder Essen kochen! Nein, aufpassen wie ein Luchs muß ich. Und immer schön weit Abstand halten!

Zufällig finde ich im Nachtrag eines Segelführers diese Anmerkung:

During June, eastern Nova Scotia coast still has open season for lobstering. While there are not as many lobster buoys in Nova Scotia as in Maine, many Nova Scotia fisherman set out just a single buoy per pot, on an extremely long line. This line often floats just below the surface, trailing off from the buoy 20 feet or more in a direction dependent on the wind and current. These pot buoys must be given an extremely wide berth; navigating in narrow channels among them can be nerve-wracking.


Na es war ja schon nervig, aber zum Glück bin ich kein Nervenwrack geworden.


I

                              

  

 

 

 

 

Bergen des Hummerkobes: die lange Leine wird gefischt, der Korb daran hochgezogen, geleert und wieder ins Wasser geworfen. Den Fischern macht die lange Schwimmleine nichts, weil sie ihren Propeller durch einen Stahlkäfig geschützt haben

 

In der Ferne sehe ich dann auch schon mein erstes Ziel, den viel beschriebenen Leuchtturm von Betty´s Cove, angeblich der meistfotografierte Leuchtturm Nova Scotias auf einer walbuckelartigen Felsenklippe in der Nähe eines wohl sehr malerischen Fischerdorfes.

Wie Fliegen auf der Wurst kraxeln die Touristen um die Attraktion herum. Da muß ich an den Satz denken: 

Was sollen wir an`s Ufer geh`n, 

wir könn` den Land von Bord auch sehn!

                                                                                                         frei zitiert nach Thomas von Villiez






 

Dazu häufen sich auch noch die Lobster Pots zu einem undurchdringlichem Gewirr. Also hier mit so einem Kasten in der Schraube manövrierunfähig in der Atlantikdünung auf die Felsen zu treiben - ich will’s mir nicht weiter ausmalen! Schnell ein paar Photos und nichts wie weg!

Außerdem kommt gerade eine ideale Backstagsbrise auf und ich kann die Segel setzen. Alles noch ungewohnt und das erste mal in diesem Jahr. Da soll gern die Elektrowinsch zeigen, was sie ziehen kann! 

So rauschen wir bald mit 7 1/2 kn durch`s Wasser. Mit ausgestelltem Motor und dem Propeller in Segelstellung machen mir die Hummerkörbe keine Sorgen mehr. Trotzdem verfängt sich hin und wieder so ein Biest unter dem Schiff und wird eine Strecke mitgeschleppt. Der Fischer wird seine Boje schon wieder finden!

Weil es so schön dahin geht, will ich gleich bis Halifax durchsegeln. Zumal für morgen das nächste Tief mit viel Regen und auch Wind angesagt ist. 

Um 17:30 nehmen mir hilfreiche Hände im Royal Nova Scotia Yacht Squadron die Leinen ab. 

Montag, 20. Mai 2019


Alles hier sehr British, aber doch herzlich und hilfsbereit. Ich konnte nicht verhindern, daß die deutsche Gastfahne am Clubmast hochgezogen wurde. Das sei nun mal Tradition! Welche Ehre!

 

 

Heute ist Victoria Day, ein halbstaatlicher Feiertag.  Und es regnet in Strömen bei 10 Grad. Irgendwie markiere der Tag den Sommeranfang und so einiges mehr… siehe unten:

Across the country, Victoria Day serves as the unofficial marker of the end of the winter social season, and thus the beginning of the summer social calendar. Banff, Alberta´s Sunshine Village ends its lengthy ski season on Victoria Day and,[34] likewise, it is during this long weekend that many summer businesses—such as parks, outdoor restaurants, bicycle rentals, city tour operators, etc.—will open. Victoria Day is also a mark of the beginning of the cottage season, when cottage owners may reverse the winterization of their property. Gardeners in Canada will similarly regard Victoria Day as the beginning of spring,[36] as it falls at a time when one can be fairly certain that frost will not return until the next autumn. There is also a change in fashion: lighter-coloured summer clothing was traditionally worn from Victoria Day through until Labour Day.


Tatsächlich habe ich schon Leute in kurzen Hosen gesehen, von den Miniröcken ganz zu schweigen!



Mittwoch, 22. Mai 2019


Halifax´ städtebaulicher Charme erschließt sich mir nur allmählich. Nun bin ich natürlich von dem schnuckelig herausgeputzten Lunenburg verwöhnt! Die subarktischen Temperaturen, die Wolkenbrüche und der Sturm in den letzten Tagen steigern auch nicht gerade das Wohlgefühl. Sicher, die über allem thronende Zitadelle, die eine herrliche Aussicht sowohl über die See  als auch über das Umland bietet, ist militärhistorisch interessant, aber das Gemisch von älteren Holzhäusern mit modernen, zweckmäßigen Hochhäusern in der Innenstadt ist gewöhnungsbedürftig. 

Großes Lob und Bewunderung für die Zentralbibliothek. Ich stolperte gleich über eine englisch-deutsch-französische bearbeitete Geschichte LUNENBURG´s, die sich mit den Wurzeln der Erstsiedlern (hauptsächlich aus der Kurpfalz) beschäftigte. 

Public Library Halifax

Der Hauptgrund dafür, daß ich Halifax doch in bester Erinnerung behalten werde, besteht zweifellos in der Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft seiner Bewohner.

Als mir beim An-Land-Rudern eine Dolle brach und ich aufgrund starken Gegenwindes irgendwo nur nicht an meinem Ziel anlanden mußte, kam ungerufen ein Motorboot und schleppte mich in den Hafen. Kurze Zeit später, auf dem Weg zum Bus hielt George an und fragte, wo ich denn hin wolle und ob er mich nicht mitnehmen solle. Daraus wurde dann gleich eine Stadtrundfahrt mit Park- und Zitadellenbesichtigung. Und als ich mich nach der Rückkehr aus der Stadt an die Reparatur der Dolle machte, stellte mir der Dockmaster gleich seine bestens ausgerüstete Werkstatt zur Verfügung und legte auch selbst Hand an.

Nun scheint das Tiefdruckgebiet durch zu sein. Das Barometer steigt steil an und der Himmel ist fast wolkenlos. Dann soll´s morgen in aller Frühe weiter gehen. Der Linseneintopf ist vorgekocht, das Beiboot verstaut und der Wetterbericht heruntergeladen. Schau´n m´r mohl!


Donnerstag, 23. Mai 2019

 

Tja, da hatte ich mir doch ein ganz schön weites Etmal vorgenommen. Zwar wunderbar blauer Himmel und ein Anflug von Frühlingswärme, aber wenig Wind und das noch von hinten. Also leider doch Motorsegeln! Vom Hummerkorbslalom will ich jetzt nicht schon wieder anfangen. Aber eben nichts mit locker unter Selbststeuerung dahinfahren und ab und zu mal einen Blick nach vorn tun! So gegen 19:00 mußte ich mich um einen Platz für die Nach kümmern, denn im Dunkeln ist mir hier doch alles zu unsicher. „Marie Joseph“ hieß eine sichere Bucht. Dazu noch der schön klingende Name, der mich an eine französische Königstochter denken ließ. Na, abgesehen mal von einige unauffindbaren, also fehlenden Tonnen erwies sich der Ort als ziemlich triste um nicht zu sagen trostlos! Ein verrottetes Wrack wartet seit Jahrzehnten auf Beseitigung.

Am Morgen erfuhr ich dann auch noch, daß der Ort mitnichten mit einer romantischen Königstochter sondern vielmehr mit einer gehenkten schwarzen Sklavin zu tun hatte. Diese arme Frau war in Funchal/ Madeira(!) geboren worden und nach verschiedenen Besitzerwechseln in Montreal gelandet. Dort forderte sie mehrfach ihre Freilassung, sonst werde sie das Haus anzünden. Es kam tatsächlich zu einem Feuer, bei dem halb Montreal abbrannte und letztendlich wurde sie deshalb zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Die wahre Schuldfrage ist wohl ungeklärt. Jedenfalls wurde unter Folter ein Geständnis erpresst und dann die Strafe auf Erhängen „gemildert“.



Freitag, 24. Mai 2019


Die Nacht war trotz der Schauergeschichte ruhig, kein Geist erschien.

Aber bleiben wollte ich hier auch nicht. So „erforschte“ ich, was ich ja sowieso vorhatte den Liscombe River bis es aufgrund einer Brücke nicht mehr weiterging.

 

 

  

Praktischerweise liegt hier ein Hotel mit allen Annehmlichkeiten wie warmen Duschen und Internet. 

Ich ankerte also in der nächsten Bucht und wollte gemütlich im Beiboot zum Hotel tuckern. Alles fertig, der Außenborder sprang nach der langen Winterruhe sofort an, 

a b e r : der Gang ließ sich nicht einlegen!

Und nun kommt die RCMP (Royal Canadian Mounted Police) ins Spiel. Da werde ich bald zum Fan! Sie hatten mich schon auf der Einfahrt interviewt und erzählten, sie müßten sich hier zeigen, weil ein Fischerkrieg im Gange sei, der bis zu Rammings geführt hätte. Jetzt sahen sie mich mit dem Außenborder kämpfen und schleppten mich gleich bis zu dem besagten Hotel. Hier packten sie den Motor ein und fuhren zu einem Mann, der vielleicht etwas reparieren konnte. Leider war er nicht zu Hause.

Also wieder zurück. Dann kommt Chester ins Spiel. Chester pflegt seit 40 Jahren Haus und Hof im Hotel und wird auch im Segelführer persönlich erwähnt. Der nimmt nun den Motor mit und wird ihn zur Reparatur abgeben. 

               

Ich wiederhole mich, aber die Hilfsbereitschaft der Leute ist umwerfend - ich weiß gar nicht, wie ich mich da erkenntlich zeigen soll. Da ist doch noch echte Siedler- Mentalität!


Samstag, 25. Mai 2019


Habe Chester beim Herumrudern getroffen als er mit Touristen ausfuhr: der Motor ist wohl wieder in Ordnung.

Einen Ausflug entlang des Flusses habe ich wegen Fliegenattacken wieder abgebrochen. Muß mir erst mal ein Fliegennetz anschaffen.

Wasserfälle am Liscomb River

Morgen dann weiter!



Sonntag, 28.Mai 2019


Jaja, Ihr habt’s ja schon immer gesagt!  Irgendwann mußte es doch mal passieren!!


Bei glattem Wasser aus dem Liscomb Harbour auf die hohe See hinaus getuckert, schön weit draußen außerhalb der rot-weißen Ansteuerungstonnen, rechts geschaut, links geschaut, wieder rechts, wieder links, kurz gesagt sehr konzentriert und aufmerksam, nur die noch tiefstehende Sonne, die sich auch noch im Wasser spiegelt (Ostkurs) macht Probleme….. rrrummms, eine zerschmetterte Boje im Kielwasser!! Schnell Gang raus, abwarten, es tut sich nicht viel, der Motor läuft im Leerlauf. Vorsichtig vorwärts - die Schraube dreht sich wohl, aber es geht nicht recht vorwärts. Dann energisch zurück - rasch machen wir ordentlich Fahrt über den Achtersteven.  Noch mal gut gegangen !!!???

Weitere Fahrt der Küste entlang ohne Besonderheiten.

Abends Einlaufen mit vorsichtiger Fahrt in den St. Peter´s Kanal. Alles ruhig, Flaute. Beim Anlegen: Rückwärts - es tut sich nichts oder bloß ein bißchen. 

Tja da haben wir den Salat! Man wird nachsehen müssen, wahrscheinlich tauchen. 

Abendstimmung am St. Peters Canal



Montag, 27. Mai 2019


Einen Taucher gibt’s in St Peter nicht. Den gibt’s vermutlich in Baddeck, dort ist ja auch eine Marina und eine kleine Werft. 

Da es der Vorwärtsgang anstandslos geht, fahre ich um 8 Uhr nach einem netten Schwätzchen mit dem Wärter in die Schleuse. Es handelt sich um ein 150 Jahre altes Kanalprojekt. Ganz früher wurden die Schiffe mit einer Holzbohlenstraße über den kleinen Berg gezogen. Später sprengte man den Granit Berg einfach weg! Aufgrund des Jubiläums gibt’s sogar eine Urkunde! Kosten für das Ganze: 0! Eine Drehbrücke muß noch gedreht werden - der Schleusenwärter fährt schnell dorthin und gibt über UKW grünes Licht zur Weiterfahrt. 

Es tut sich eine stille Seenlandschaft mit waldigen Ufern auf. Mal ganz eng mal wieder wieder ganz weit. Viele schöne Ufergrundstücke mit großen Häusern. Sicher ein beliebtes Feriengebiet. Erinnert etwas an den Long Island Sound - nur nicht so protzig!

Nun kommt sogar Wind auf und ich segele gemächlich nach Baddeck. 

Noch um den Leuchtturm herum, dann sind wir in Baddeck

Hier werde ich erst mal an die Public Wharf verwiesen. Eine sehr freundliche Denise kümmert sich um den Taucher. Hat aber erst übermorgen Zeit

Links ein Schoner aus Holland; ARIEL an der Public Wharf



Dienstag, 28. Mai 2019


Ich wollte mich heute ja ohnehin um den Weißkopfadler  (Bald Eagle, Haliaeetus leukocephalus (die Griechen werden es verstehen!)) kümmern!

Diese Vögel sind ja schon seit dem Befreiungskrieg das Nationalsymbol der Vereinigten Staaten von Amerika. Aufgrund der DDT Anhäufung in der Nahrungskette wurden die Eierschalen der Tiere aber so dünn, daß sie keine lebenden Nachkommen mehr hatten und auszusterben drohten. Wilde Jagd tat ein Übriges. Nun ist ja DDT seit 1972 in den USA verboten und durch kontrolliertes Füttern und Zuchtstationen nimmt die Population wieder zu. 

Die Bras d´Or Region war immer schon ein bevorzugtes Nistgebiet der Weißkopfadler. 

Mit dem Dingi mache ich mich also auf zu einer kleinen Insel, wo ein Paar (ja, sie sind angeblich lebenslang monogam) sein Nest hat. Und in der Tat da sitzt doch tatsächlich so ein Vieh in den Bäumen. Gut daß ich das große 300mm Tele Dabei habe! 

Dann geht’s weiter um die Insel und ich „stolpere“ über einen Pileated Woodpecker (Dryocopus pileatus) was wohl mit „Haarschopf oder Hauben-Specht“ zu übersetzen wäre. Soll laut Buch „uncommon“ also ungewöhnlich sein. 

Zwei ornithologische Highlights an einem Tag!

Dann warte ich ja nur noch auf den Taucher. 


Ganz am Rande: ich scheine nicht allein mit dem Problem. Man macht sich offensichtlich Gedanken, wie man ohne Leinen und Bojen auskommen kann. Aber die Skeptiker sagen, ist viel zu teuer!


The End Of Crab Trap Entanglements?

 Ashored (ist eine Firma) is developing a bottom-bound ropeless fishing system to minimize the risk of ship entanglements and trap loss/damage, while allowing fishers to fish in zones closed to fixed fishing gear.

Ashored retrofits existing lobster and crab traps with underwater buoys that can be triggered to the surface using an active-retrieval release – this permits the buoy and connecting rope to rise to the surface where fishermen can use existing onboard equipment and processes to retrieve the trap and prepare it for redeployment. Ashored’s buoys use machine learning to collect data and make recommendations, and use sonar and geo-tracking to locate lost traps.



Mittwoch, 29. Mai 2019


Am Morgen schlechte Nachrichten: der Taucher ist in Sidney und kommt diese Woche nicht wieder. Man werde versuchen jemanden anderen zu finden.…………………….

Die Reste der Hummerkorbleine

Gegen 12 Uhr die erlösende Nachricht, der Taucher ist gefunden und wird sich in einer halben Stunde an die Arbeit machen. 

Es kommt in der Tat ein freundlicher junger Mann im Naßtauchanzug und stürzt sich in die eisigen Fluten. Eine halbe Stunde säbelt er an der verknoteten Leine herum. Teilweise ist sie durch die Reibung zu einem Klumpen geschmolzen. Aber er schafft es alles zu entfernen. Da bin ich aber froh!


Donnerstag, 30. Mai 2019

Strahlende Sonne und Wärme! Ich warte noch auf bestellte Seekarten und nutze den Tag zu einer Lustfahrt im See. 

Im Norden der Baddeck Bay befinden sich zwei sehr interessant beschriebene Ankerplätze „The Harbour“ und „Herring Cove“. Dort soll es auch nochmal Adler geben. Die Seekarte sagt zu ersterem gar nichts, nur dunkelblaue Fläche. Das Handbuch meint aber es gäbe zumindest 8 Fuß Wasser (ARIEL hat 7 Füße). Mit vorsichtigster Fahrt taste ich mich in die wirklich idyllische Bucht. Irgendwann bleiben wir aber im weichen Schlick  stecken. Kein Problem! wieder rückwärts raus. Aber auch kein Bedarf auf weitere Versuche!

Dann eben zur Herring Cove. Ist ja gleich um die Ecke. Hier besteht das umgekehrte Problem. Es ist ein „Pond“ mit 29 m Tiefe, aber zu den Ufern wird es schnell flach. Nach zwei Versuchen sitzt der Anker mit gehöriger Kettenlänge fest im Schlickboden.

Herring Cove

Anschließend 2 sm Fußmarsch hin und 2 sm zurück entlang der Baddeck Bay zum Haus des Telefon-Erfinders Bell (Beinn Bhreagh). Immer das gegenüberliegende Baddeck vor Augen.

Links Kidston Island mit dem malerischen Leuchtturm und mit den Adlern, rechts der Ort

Das gesamte Gelände ist zwar Privatbesitz aber mehrere Handwerker, die dort die Häuser instand halten ermuntern mich, ruhig die Straße zu benutzen. Eine zahlreiche Enkelschar des erfolgreichen Mannes hat hier ebenso zahlreiche Häuser erbaut, wohnt aber offensichtlich nur zeitweilig hier. Auch der eigentliche Stammsitz scheint unbewohnt, läßt jedoch noch alte Pracht erahnen. Die Aussicht über das Bras d´Or Seengebiet ist einzigartig !

 

Alterswohnsitz von Alexander Graham Bell: Beinn Bhreagh

Einen Adler sehe ich leider nur von Ferne. Es werden wohl noch andere kommen.


Freitag, 31. Mai 2019


Nun wieder zurück nach Baddeck zum Einkaufen und Vorbereiten der Weiterreise.     



Samstag, 1. Juni 2019


Ich krieg´ noch eine schwere Hummer Allergie! Das dauernde Wehklagen wird ja nun langweilig, aber langsam nervt es doch mächtig! Allein wenn ich einen Lobster Pot von weitem sehe, kribbelt es schon!

 

Doch der Reihe nach: Am Morgen bei Flaute und diesigem/ nebeligem Wetter Baddeck verlassen und Kurs auf Great Lac d´Or, die (natürliche) Nordausfahrt des Seengebietes genommen. Das Wetter klart langsam auf und in schönstem Sonnenschein genieße ich die waldbestanden Ufer. 

4 kn Schiebestrom! (Fast wie auf der Elbe)

Der Strom läuft mit und schiebt mich mit 4 kn unter der Brücke durch nach Norden. 


"Auf Hummer(Korb)fang

Jetzt der große Fehler: Anstatt weit draußen zu bleiben und in großem Bogen nach Südosten Richtung Sidney zu fahren, bleibe ich dichter unter Land etwa auf 5 m Tiefe. Die ersten Lobster Pots tauchen auf und werden vorsichtig umfahren. Es werden mehr, schnell  auf Leerlauf, gut gegangen, weiter. Es werden immer mehr Bojen, bis ich selbst wie ein Hummer gefangen bin. Glücklicherweise kommt etwas Wind auf und ich kann Segel setzen. Aber das hilft auch nicht mehr! Schließlich schleppe ich bis zu drei Hummer Körbe hinter mir. Sie haben sich offensichtlich am Ruder verfangen. Jetzt kommt Haralds Kelpmesser zum Einsatz. Ich hole das Schleppgut hoch und schneide die Leinen ab. Mit dem Bootshaken fische ich die verbliebenen Bojen heraus und flüchte hinaus auf offene See. Dort wird alles überschaubarer. Im großen Bogen erreiche ich die Einfahrt nach Nord-Sidney. Von dort verkehren die Newfoundland Fähren, die die Verkehrswege „sauber“ halten.

 

Sonntag, 2. Juni 2019


Im Northern Yacht Club sind alle wieder ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Da mir mein gestriges Abenteuer noch nicht so ganz geheuer ist, kommt noch einmal ein Tauchermann, der für einen Freundschaftspreis das Unterwasserschiff kontrolliert. Wieder zaubert er noch Leinenreste hervor! 

An der Clubbar wird alles diskutiert. Die ist eigentlich immer mit 4-5 Leuten besucht. Junge Leute vergnügen sich am Billardtisch. Die Einheimischen  sagen, vor dem Ende der Hummersaison am 15. Juli würden sie ohnehin nicht unter der Küste rumsegeln. In der Tat: fast alle Boote stehen noch an Land.

Nun bleibe ich erst mal hier im sehr netten Club und warte das richtige Wetter für die Fahrt nach Newfoundland ab. Erst muß nochmal ein Tief vorbeiziehen, an das will ich mich dann dranhängen. 


Dienstag, 4. Juni 2019


Seit heute Abend wieder in Frankreich!

Also richtig in Frankreich! Nicht irgendein Überseedepartement wie Martinique oder Guadeloupe. Nein das ist richtig Frankreich mit einem Abgeordneten in der Nationalversammlung. Der Euro ist Zahlungsmittel und die Steckdosen sind (fast) wie bei uns. Aber die Inseln haben eigene, sehr schöne  Briefmarken! Und natürlich eine ganz eigene Zeit (1 Stunde vor Nova Scotia und 1/2 Stunde nach Newfoundland).

    Die gut 150 sm lange Überfahrt von Nova Scotia über den St. Lorenz Kanal hier zu den Inseln vor der neufundländischen Küste war naß und kalt, kurz gesagt: kein Hit. Aber den Südwind mußte ich nutzen! Nur zwei Schiffe ließen sich durch das AIS identifizieren, ansonsten große Leere im feucht nebeligen Grau! Nun bin ich morgen aber auf Baguette und Croissants gespannt!


Mittwoch, 5. Juni 2019


Klein Paris ist es nicht gerade, aber doch sehr schön. So sieht's von oben aus:

St. Pierre

 


   
Mit einer Taxe lasse ich mich auf die Westseite der Insel bringen und gehe quer durch die Insel zu Fuß zurück. Erinnert doch sehr Schottland, wenngleich die verkrüppelten Kiefern doch einen eigenen Landschaftscharakter haben.

 

 

 

 

Blick auf die Nachbarinsel Miquelon. Die "Berge" gibt's nicht, sind Wolken!
Einer der vielen "Étang"s


Donnerstag, 6. Juni 2019


Schnell vor dem nächsten Tief weiter. Nach dem sonnigen Frankreichaufenthalt muß ich erst wieder in Canada einklarieren und das geht an der ganzen Südwestküste nur in Fortune, das aber leider nicht gerade auf meiner Route liegt.   

Abfahrt im Nebel bei wenig Wind, dann doch ganz schön gesegelt, ab Mittag Regen. Problemloses Einklarieren, sicherer Liegeplatz, Uhr umstellen (4 1/2 Stunden vor Hamburger Zeit). Ein wiederum unvorstellbar freundlicher Fischer bringt mich zum Einkaufen in die nächste Stadt. Inzwischen Wolkenbruch. Heute Nacht wird das Tief durchziehen und es soll ja kräftig blasen. Dann kann es eigentlich nur besser werden!


Freitag, 7. Juni 2019


Wie angekündigt hat es in der Nacht ordentlich geblasen; jetzt herrscht Stille - und dicker Nebel! Das Nebelhorn von der anderen Seite blökt mächtig!

Aber es soll ja besser werden! Also warm angezogen und vorsichtig hinaus in die weiße Suppe. Das geht natürlich nur, wenn alle Elektronik ordentlich läuft. Dennoch ist mir wegen möglicher Hummerkörbe unwohl, wenngleich sie hier deutlich seltener und viel besser zu erkennen sind. 

Gegen Mittag geschieht das Wunder:

Die Nebel zerreißen,

Der Himmel ist helle,

Und Äolus löset

Das ängstliche Band.

Es säuseln die Winde,

Es rührt sich der Schiffer.

Geschwinde! Geschwinde!

Es teilt sich die Welle,

Es naht sich die Ferne;

Schon seh' ich das Land!

(Irgendwann war Goethe sicher in Neufundland, es weiß nur keiner!) 

Da zieht der Nebel hin!


Im Sonnenschein und endlich unter Segeln sieht die Welt doch ganz anders aus!

Am Nachmittag laufe ich in das Fischerdorf Great St. Lawrence ein.

  



Samstag, 8. Juni 2019


Die Besatzung einer Slowakischen (!) Yacht CIVETTA II klopft an. Einer der beiden ist Deutscher. Das Woher und Wohin ergibt, daß die beiden auch nach St. Johns und nach Nuuk wollen. Da werden wir uns vermutlich noch häufiger sehen. 

Nach dem Ablegen schläft erst mal der Wind ein, Motor! Aber ab Mittag weht es frisch und ich fliege über die Placentia Bay hinüber nach St. Brides. 

St. Brides; gleich neben der Einfahrt schäumen unbezeichnete Klippen. Die grüne Tonne, die das anzeigen soll, fehlt

So vor dem Wind in ein kleines enges Häfchen??? Die Bucht heißt auch ominös "Distress Cove"! Na, das ist nicht so traumhaft. Aber ich bereite alles rechtzeitig vor, berge draußen die Segel und finde auch gleich in der Einfahrt einen freien Liegeplatz und hilfreiche Hände, die die Leinen annehmen. Es werden noch Schalentiere ausgeladen, aber ansonsten hält sich der Betrieb in Grenzen. 

Der Rest des Fanges. Das meiste ist schon im Kühllaster!

Der Hafenmeister (heißt hier Port Authority) ist bis Montag verreist. Dann kostet es auch nichts, wird mir versichert! Leider keine Telefonabdeckung, dann auch kein Internet!  

Das Nebelhorn tutet mich in den Schlaf.


Sonntag, 9. Juni / Montag, 10. Juni 2019


Heute zwei Kaps „gemacht“.

          

Die Avalon Halbinsel, auf der wir jetzt sind, hat viele tiefe Buchten und entsprechend zwischen diesen Buchten schlecht beleumundete Kaps: Cape St. Mary´s, Cape Pine und schließlich das berüchtigte Cape Race. 

Cape St. Mary´s
Cape Pine

Die Fahrt verlief trotz günstigen Nordwest- Rückenwindes recht holperig. Mindestens vier Dünungs- und Wellensysteme konnten sich nicht einigen, welches das wichtigste ist, und so hoppelte Ariel wie ein Rodeopferd dazwischen. Schließlich Cape Pine: der Wind nimmt von Stärke Bf 4-5 auf etwa 6-7 zu. Ist ja klar! Der Kap Effekt! Hinter der Kurve ist er dann wieder weg! ...Von wegen, hier nicht! Da muß ich doch tatsächlich in Sichtweite des Hafens reffen und rausche trotzdem mit 8 Knoten auf Trepassey meinem heutigen Ziel zu. 

Riesen beim Klötzchenspielen

 


Die Pier liegt ungeschützt im böigen NW-Wind. Außerdem sehe ich Krane und andere Baumaschinen. 

 

Einfahrt nach Trepassey von Norden gesehen. Die Public Wharf links ist zur Zeit unbenutzbar.


Da verziehe ich mich lieber in die äußerste Nordostecke der Buch und ankere. Zwei Stunden später: spiegelglattes Wasser als hätte es nie geblasen.

Wie sich bei meinem Landgang am nächsten Tag herausstellt, ist die Pier zur Zeit tatsächlich  unbenutzbar und wird grundlegend saniert; voraussichtlich bis Oktober, wie ein Bauarbeiter meint.

Ansonsten ist Trepassey ein kleiner Ort, an dem es alles gibt, was ich brauche: Lebensmittelladen, Post und Bibliothek mit schnellem Internet.


Dienstag, 11. Juni 2019


Blauer Himmel, der Wind aus der richtigen Richtung und mit der richtigen Stärke - schnell den Anker hoch und los geht’s zu dem letzten der drei Avalon-Südkaps, Cape Race. Hier wurden zuerst die Notrufe der untergehenden TITANIC aufgefangen. Hier und da zeigen sich auch heute Eisbergreste, meist unter Land, wo sie auf Grund gelaufen sind und abschmelzen. Das heißt im Eisbericht dann: "Bergy water".

Cape Race

Ich halte mich so etwa an die 50 m Linie. Das ist auch bei der großen Atlantikdünung sicher weit genug weg  aber doch noch nah genug, um von der Küste etwas zu sehen. 

Das Ziel ist die Bucht, besser der Fjord von Fermeuse Harbour. Idyllisch wie ein Schwarzwaldsee, allerdings mit kleinem Eisberg in der Einfahrt. 

 

In einem bestens ausgebauten Fischerhafen kann ich festmachen. Hier werden in großem Umfang „crabs“ gefischt/gefangen. Die aufgeschlossenen, freundlichen Fischer erklären mir alles genau. Ich schreibe ein andermal darüber.

 


Mittwoch, 12. Juni 2019


Die Kaps nehmen kein Ende! Aber versprochen, Cape Spear mit seinem Lighthouse, National Historic Site of Canada ist nun erst mal das letzte. Wegen eines Superlativs muß es aber erwähnt werden: hier springt der nordamerikanische Kontinent am weitesten nach Osten vor, es ist also das östlichste Kap Nordamerikas. Von hier bis Irland sind es „nur“ 1600 sm.

Cape Spear - das östlichste Cap Canadas

Die Fahrt ging heute morgen früh los, weil für den Nachmittag eine Böenfront angesagt war. Danach sah es auf See aber gar nicht aus! So mußte dann letztendlich sogar die Stahlfock = Motor ran. Als ich dann um Cape Spears herum war und die Hafeneinfahrt schon zu ahnen war pfiff es aber richtig los. Aber kein Problem bei raumem Wind.

Hafeneinfahrt St. John´s - erstes Etappenziel

Um 15:30 war  ARIEL sicher in St. John´s vertäut. 

          

ARIEL wird jetzt erst mal hier bleiben und auf die Weiterreise mit Crew vorbereitet.


Samstag, 15. Juni 2019

Die ersten Tage in St. John´s vergingen mit Schiffsarbeiten. Großes Erfolgserlebnis: die WEBASTO Heizung läuft wieder - nun müssen wir in Grönland nicht frieren (Ich habe es selbst hingekriegt! - Über die Servicequalität von WEBASTO  sowohl in der deutschen Sparte als auch der amerikanischen möchte ich mich nur mündlich äußern!)!

Fast als hätte das Wetter darauf gewartet, fiel das Thermometer auf 7 ℃ mit scharfem Nordwind und Nebel. Zu großen Ausflügen hatte ich da keine Lust. Aber auch am Hafen gibt es genug zu sehen.

 

Liegeplatz im südlichsten Hafenende. Nebenan werden Container verladen


AIDA von Reykjavik kommend; im Hintergrund die Hafenausfahrt
Dieses Gefährt gehört der NGO "Sea Shepherd Conservation Society" die sich um illegale Fischerei kümmert; soll angeblich 28 kn schnell sein!

 

 

 

 



Randbemerkung zum Crab-Fischen (hier die Snow-Crab oder Queen-Crab)


Die Crabs/ Krebse werden wie die Hummer ebenfalls in Körben gefangen. Diese sind aber viel größer und sehen wie ein Kegelstumpf aus. Etwa 50 (FÜNFZIG!!) solcher Fallen werden miteinander verbunden und auf den Meeresboden bis 300 m Tiefe abgesetzt. Am ersten und am letzten Korb wird eine Leine mit großer Boje befestigt. Die Tierchen klettern nun an den Maschen der schräg stehenden Wände hoch. Oben kommen sie dann an den Plastiktrichter, können sich nicht mehr daran festhalten und plumpsen in ihr Verderben. Die hier noch sichtbare Öffnung an der Unterseite wird natürlich mit der grünen Leine zugezogen und dient dem Entleeren des Fanges.

 

Das Geschäft mit den Krebsen hat sich erst in den letzten 25 Jahren entwickelt. Davor waren sie lediglich unerwünschter Beifang. 

Als die Kabeljau Fischerei auf den Neufundlandbänken 1993 wegen Überfischung zusammenbrach, sprach die Canadische Regierung ein Fangverbot (Moratorium) aus. 

Die Auswirkungen auf die vom Fischfang abhängige Bevölkerung insbesondere in Newfoundland waren immens. 30.000 Fischer verloren ihren Job; Zulieferer, Werften und weiterverarbeitende Betriebe schlossen, ganze Dörfer verwaisten.

Da sich die Grundfische offensichtlich von kleinen Krebsen und Krabben ernährten, wurden deren Populationen, als es noch genügend Grundfische gab, klein gehalten. Nun,da die Fische fehlten, konnten sich die Crabs ungestört vermehren. 

„ Snow crab is the second most valuable Canadian fishery export product, with $434.2 million exports valued in 2013“. Der größte Teil des Crab-Fanges geht nach Japan, China und in die USA.

Mehr als die Hälfte der vorher in der Fischerei Beschäftigten hat so wieder Arbeit gefunden.

Um ein erneutes Desaster wie beim Heilbutt zu vermeiden, wurden strenge Regeln eingeführt:

  • Die Maschen der Körbe müssen eine bestimmte Weite haben
  • Die Krebse müssen eine bestimmte Mindestgröße haben. Kleinere Tiere müssen sofort wieder freigelassen werden
  • Weibliche Krebse müssen aussortiert werden und zurück ins Meer
  • Gewisse Gesamtfangmengen dürfen nicht überschritten werden

Im Hafen habe ich tatsächlich ein Team von Aufsehern gesehen, die das auch kontrollieren!!

Fanggründe der Snow Crab im Atlantischen Canada

Quellen und Genaueres:

https://www.dfo-mpo.gc.ca/species-especes/profiles-profils/snow-crab-crabe-neiges-atl-eng.html

https://www.dfo-mpo.gc.ca/fm-gp/sustainable-durable/fisheries-peches/snow-crab-eng.htm

 P.S.: der Kabeljau scheint an manchen Stellen wieder zurückzukehren. Das Fangverbot wurde aber bisher nicht gelockert.     



Samstag, 22. Juni 2019


Schon über eine Woche in St. John´s!

Aufgeschlossen und immer zu einem Schwätzchen bereit, das sind sie hier alle. „How are you?“ ist tatsächlich erst gemeint und bedarf immer zumindest eines „not bad today“! Da ARIEL am Harbour Drive parkt, kommen natürlich dauernd Leute vorbei und fragen nach dem Schiff und nach woher und wohin. Das dauert dann schon mal eine halbe Stunde.

Hauptthema ist natürlich das Wetter. Draußen auf dem Wasser schwimmen ja noch die Eisberge ganz abgesehen von dem kalten Labradorstrom der kontinuierlich von Norden nach Süden fließt. Immer, wenn dann mit süd-östlichen  Winden vor dem nächsten Tief warme Luft herankommt, gibt’s ordentlich Nebel und die Temperatur fällt auf ca. 8 ℃. Umso mehr Jubel bei Sonne und 20 ℃!! „The first summer day this year. Brillant day today!“

Nicht zu vergessen die Autofahrer! Es läuft einfach ruhiger, rücksichtsvoller! Allein wenn man in die Nähe eines Fußgängerüberweges kommt, halten die Autos schon 50 m vorher. Das ist mir manchmal ganz peinlich, weil ich eigentlich gar nicht über die Straße wollte. 

Dafür aber die Motorräder! Alle Altersgruppen sind vertreten. Vermutlich gibt es keinen TÜV. Und da wird am Auspuff getunt, was das Zeug hält. Kein sattes tiefes Blubbern der schweren Maschinen, nein, ein tiefes, prollig-knatterndes Röhren ist angesagt und wird schon an der Ampel aufgedreht, bevor es dann bei Grün mit röhrendem Vollgas den steilen Berg - bis zur nächsten Ampel - hinauf geht! Anschließend nochmal die gleiche Runde.


Ein Bohrinselversorger läuft ein. Das Ölgeschäft spült doch einiges Geld in die Stadt.

Die schönen Tage habe ich mich natürlich genutzt und bin bestimmt so 50 km herumgetippelt. Signal Hill, die höchste Erhebung gleich an der Steuerbordseite der Einfahrt ist natürlich d a s Touristenziel, zumal auch eine Straße dorthin geht. Lange Zeit wurde von hier oben um 12:00 ein Kanonenschuss abgefeuert. Es gibt aber auch einen sehr schönen Trail, den man auf dem Photo gut sehen kann. 

Das Besucherboot zum Eisberg läuft aus. Im Hintergrund auf halber Höhe der Trail zu Signal Hill


Signal Hill

Gegenüber auf der Backbordseite der Einfahrt ist Fort Amherst etwas schwieriger zu erreichen - man muß mindestens 300 m zu Fuß gehen, weil die Straße nur für Anlieger frei ist. 

 

 

 

 

Fort Amherst - Leuchtfeuer

Entsprechend allein genoß ich die Aussicht hinüber zum Eisberg, der vor Cape Spear gestrandet ist und mehrmals täglich von einem Ausflugsdampfer umfahren wird. 

Cape Spears mit Eisberg vom Dienst

An Baudenkmälern ist St. John´s etwas knapp, weil die Stadt regelmäßig von schweren Bränden heimgesucht wurde. Die Hitze war dabei so groß, daß die Scheiben der Anglikanischen Kathedrale schmolzen. Der Mix aus bunten, meist ein- bis zweistöckigen Holzhäusern und moderner „Groß“stadt ist zumindest als charmant (typischer Maklerausdruck, wenn man nicht so recht weiß) zu bezeichnen. 

 

Jedenfalls breitet sich die Stadt im „Oberland“ sehr weit aus. Hier gibt es ja genügend Platz. Zum Beispiel für einen großen Universitätscampus der Memorial University of Newfoundland mit 18.000 Studenten inklusive einer medizinischen Fakultät in einem großen modernen Krankenhauskomplex.

Von den zahlreichen Museen hat mich das Johnson Geological Interpretation Center am meisten beeindruckt. Es liegt größtenteils unterirdisch im Fels und erzählt anhand von Gesteinsproben die Entstehungsgeschichte der Erde. Neufundland hing zum Beispiel einmal mit den Hebriden zusammen. 

Eine Unterabteilung, die eigentlich mit Geologie nichts zu tun hat, ist dem Untergang der Titanic gewidmet. Besonders auf die wirtschaftliche Vorgeschichte, also der Konkurrenzkampf der White Star Linie mit der Cunard Linie, der ja ausschlaggebend für den Bau der Riesenschiffe war, wird ausführlich eingegangen. Ebenso werden die schiffbaulichen, ausrüstungstechnischen und organisatorischen Mängel beim Bau und Betrieb des Schiffes beleuchtet. Letztendlich beschreibt die Dokumentation eine schaurige aber vermeidbare Katastrophe! Keinerlei Romantik von selbstlosen Seehelden! Der Untergang geschah ja innerhalb von vier Stunden. Das wird an einem Modell mit minutengenauen Einblendungen der Aussagen aus den Seeamtsverhandlungen grausig real nachvollzogen. 

Da war ich dann aber doch froh, wieder aus der Unterwelt auftauchen zu können!


Der erst Teil der 2019-Reise endet hiermit. 

Mit neuer Crew geht es dann bald weiter nach Norden.