Vestmannaeyar

Samstag, 10. August 2019


Heute um 16:00 haben wir auf den Westmännerinseln (Vestmannaeyar) festgemacht. Sechs Tage hat die Überfahrt nach Island also gedauert. Am Anfang (Montag und Dienstag) gab es kaum Wind, also viel Motorgebrumm, ab Dienstagabend ging es unter Segeln weiter. Aber auch das nur mit Mühen, das heißt hart am Wind mit Schräglage und ordentlichem Gerumpel gegen die Wellen. Mal mit Vollzeug, dann wieder mit Reff, zeitweilig mit zwei Reffs und kleiner Cutterfock. Trotz aller Mühen war es aber nicht möglich, den geplanten Kurs nach Reykjavik zu halten, sodaß wir gleich das nächste isländische Ziel die Westmännerinseln ansteuerten. Auch dieses Ziel erschien nach manchen Winddrehungen unerreichbar, aber nun haben wir es ja doch geschafft! Hier wollen wir uns in den nächsten Tagen die Folgen der verschiedenen Vulkanausbrüche sowie die Vogelwelt ansehen.


     

 Sonntag, 11. August 2019

 

Heute erst mal ausschlafen, gutes Frühstück mit Rührei und Speck, sodann Aufbruch ins Schwimmbad!! Eine hochmoderne Schwimmhalle mit warmem !!! Wasser. Im Draußenbecken kann man wählen zwischen 38-40 Grad oder 40 - 42 Grad. Letzteres ist schon fast etwas heiß, aber man bewahrt ja draußen einen kühlen Kopf!

Zusammentreffen zweier "Welten"; hundert Jahre Yachtbau im Zeitraffer! Aber gleiche Reise wie ARIEL!!! Eiserne Seeleute auf hölzernen Schiffen vs. Rentnern auf Aluschiffen!

Entlang der Hafeneinfahrt betrachten wir, wie sich die Lava der letzten Vulkanausbruchs in die Hafeneinfahrt geschoben hat. Durch Hochleistungspumpen wurde die glühende Lava mit Seewasser soweit gekühlt, daß jetzt noch eine perfekt sichere S-förmige Einfahrt geblieben ist. 

Ausfahrt der Fähre im Zick-Zack

             

 Dienstag, 13. August 2019


Tjaaaa, eigentlich wollten wir heute unterwegs zu den Färöer sein! Der stürmische Nordwind sollte nachlassen und uns mit mittlerer Windstärke zu unserem Ziel blasen. Und zwar so rechtzeitig, daß uns das nächste Tief mit seinem Ostwind (=Gegenwind) nicht mehr schaden kann. In der Tat konnten wir um 03:30 die Leinen loswerfen und rauschten auch schön in der Morgendämmerung an der isländischen Südküste entlang nach Osten. Dann aber Flaute und noch schlimmer: Gegenwind. Also nochmal den allerneuesten Wetterbericht geladen und die böse Überraschung: das Tief kommt schneller als erwartet und wir müssten am letzten Tag gegen viel Wind aufkreuzen. 

Nein danke, Kehrtwendung, die schönen 25 sm waren umsonst, wir warten die Entwicklung erst mal bei den Westmännern ab. Das geplante Tourenprogramm war ja ohnehin etwas knapp ausgefallen!



Mittwoch, 14. August 2019


Also erst mal Wäsche waschen und anschließend Fußmarsch zur Südspitze der Insel, dem Stórhöfđi.  

Vorbei am "schönsten" Golfplatz Islands

Küstenspaziergang mit Blick nach Süden

Dort gibt es große Kolonien von Papageientauchern (Puffins, Lundevögel). Leider waren die drei Busse mit den Kreuzfahrern schneller als wir Fußgänger und dann kam auch noch der Inselexperte mit seiner Gruppe …

Letztendlich waren die Vögel so verschreckt, daß ich erst an einer anderen Stelle zu meinen Aufnahmen kommen konnte. Es bleibt immer der Zwiespalt zwischen guter Fotoposition und Absturzgefahr. Glücklicherweise hausen die Papageientaucher in der obersten Kliffetage in Erdlöchern, sodaß man schon ab und zu einen vor die Linse bekommt. 

 


 Donnerstag, 15. August 2019


Wir warten, was das nächste Tief macht. In Böen Windstärke neun - das muß man ja nicht unbedingt haben!

Also beschäftigen wir uns mit kleinen Schiffsarbeiten und wandern durch die schöne Insellandschaften.

Auf schmalen Pfaden zu den Gipfeln

Der "neue" Vulkan


Irgendwie dort hinten kommt Schottland

Blick nach Norden. Links das Isländische Festland



Donnerstag, 22. August 2019


Mittwochabend um 23:25 UTC platscht der Anker auf der Reede von Pierowall (Westray/ Orkney) ins Wasser. Uns allen fällt auch ein kleiner Stein vom Herzen! Zum Schluß wurde es nämlich nochmal spannend, weil der Wind entgegen den Versprechungen des Wetterberichtes gegen uns drehte und der Kursstrich irgendwo auf die nördlichen Shetlands zeigte. Da mußte dann doch noch die Stahlfock für die letzten 20 sm ran!

Gäste an Bord!

Fünf Seetage und ein paar Stunden liegen hinter uns. Wieder bot Neptun alles auf, was es so an Wetter gibt: Flaute mit Motorgebrumm bis Starkwind mit Windgepfeiffe. Außer einem Schäkel, der sich aufbog, weil der Bolzen sich herausgedreht hatte, und einer gerissenen Reffleine des ersten Reffs gab es weder an Schiff und Mannschaft schwerere Schäden. 

So lieber nicht!


So ging's dann besser!

Die Wettersituation gestaltete sich nicht ganz einfach. Das abziehende Tief zog hinter sich eine Starkwindschleppe mit bis zu 45 kn Wind her. Die mußte erst mal abgewartet oder nur soeben gestreift werden. Danach möglichst schnell mit den günstigen Winden dem Tief hinterher, denn es drohte eine Flautenzone, der wiederum die Ausläufern des nächsten Tiefs mit südöstlichem Gegenwind folgten.

Erstmals kam die Sturmfock zusammen mit dem Trysegel zum Einsatz. Da der Wind in der Starkwindphase eher raum blieb. ließ sich der Kurs auch vom Windpilot recht gut halten. Eine große Hilfe war auch die Heizung, die gerade morgens das Aufstehen erleichterte. 

 

Kirkwall in Sicht

Heute sind wir dann durch die sanften grünen Hügel der Orkneys nach Kirkwall gedampft, wo bereits drei (!) Kreuzfahrer zu Besuch lagen. 

       


Samstag, 24. August 2019

 

Kirkwall Marina

Anhaltende südliche Winde machen eine schnelle Heimfahrt unwahrscheinlich! Aber wie so oft auf dieser Reise: es gibt schlechtere Orte, um zu warten. Freundliche Orcadians✷, Strom, Wasser, gute Einkaufsmöglichkeiten und einiges an Sehenswertem! Das Wetter? Ja natürlich wie man es sich so von Schottland denkt mit viel Regen; aber uns erscheint es trotzdem sommerlich warm. 

✷Abgesehen von den Zöllnern die sich nach zwei Tagen Liegezeit zu uns an Bord bemühten und uns unseren Bärentöter abnahmen. Beim nächsten mal verschwindet das Ding in einem Segelsack!

Uns gegenüber liegt ein wirklich interessanter Traditionssegler: Eye of the Wind

Dieses Schiff wurde 1911 als Friedrich schonergetakelt auf der C.H. Lühring Werft in Brake an der Unterweser für den südamerikanischen Fellhandel gebaut. Später fuhr es auf der Nord- und Ostsee als Frachtsegler, schließlich diente es als Heringsfischer vor der isländischen Küste. Letztendlich wurden die Masten abgebaut und unter dem Namen Rose Marie fristete es sein Leben als Motorschiff, bis nach einem Brand das vorläufige Ende kam. 1973 begann die Wiederauferstehung durch eine Gruppe enthusiastischer Briten, die sie als Brigantine takelten, Eye of the Wind tauften und wieder in Fahrt brachten. Es folgte dann eine Filmstarkarriere in 

Gegenwärtig fährt sie für die deutsche Forum Media Group unter der Flagge der Kanalinseln im Chartergeschäft. 

Eye of the Wind

In Gorch Fock Erinnerungen versunken bin ich natürlich um das Schiff herumgestrichen. Es scheint wirklich alles noch per Hand zu funktionieren. Keine einzige Winsch außer den Ankerspills! Die 10 Mann Crew muß also wirklich hart arbeiten! Dazu gibt es noch einen Ingenieur und einen Koch. Falls jemand anheuern will: https://venturesailholidays.com/sailing-with-us/do-a-little-or-a-lot/


Gestern haben wir ganz überraschend eine winzige Kneipe gefunden, die 180 Sorten Gin vorhält. Sie ist so klein, daß man nur stehen oder im Garten sitzen kann. Und unglaublich interessant, was Wirt und Wirtin über Gin zu erzählen wissen.

180 Sorten Gin!!

Anschließend haben wir noch dem altehrwürdigen Orkney Sailing Club besucht, in dem wir außer dem diensthabenden Barkeeper leider niemanden antrafen. Dennoch hatten wir einen unterhaltsamen Abend bei einheimischem Bier mit viel Informationen und Geschichten über Land und Leute. Wir reihten unseren SVK Clubstander in die zahlreich vorhandenen anderen Gästestander ein und erhielten zur Erinnerung einen des OSC.

Der Orkney Sailing Club - ein historischer Kornspeicher


 

Nun planen wir uns in kleinen Trippelschritten nach Süden vorzuarbeiten.


Montag, 26. August 2019

Copinsay - östlicher Vorposten von Mainland


Immerhin haben wir es trotz Flauten durch gelegentlich günstige Brisen und dank des unverwüstlichen Motors gestern bis Wick, heute bis Fraserburgh geschafft. 

Basstölpel im Sturzflug

 

 

 

 

Basstölpel - Verwandte der Fregattvögel

Bei strahlend blauem Himmel und diesig-warmem Wetter gaben uns Basstölpel mit ihren Sturzflügen eine Sondervorstellung. Da gab es wohl einen lohnenden Fischschwarm. 

Für Mittwoch wird eine Wetteränderung mit westlicheren Winden erwartet, so daß wir hoffentlich die endgültige Heimfahrt antreten können.


Montag, 2. September 2019


Zwei Tage bei gutem Süd- bis Südwestwind lassen die Nordsee mit Etmalen über 170 sm zu einer Zweieinhalbtagestour schrumpfen. Herrliches Segeln mit rauschender Bugwelle, ein Reff im Großsegel, harmonischen Schiffsbewegungen und blauem Himmel. Nachts schon den Orion im Osten aufgehen und Arcturus im Westen untergehen sehen, die Milchstraße über uns und der große Wagen im Norden.

Freitagmorgen taucht Helgoland aus dem Dunst auf, erste Telefongespräche im heimischen Netz. Wie angesagt verdämmert die frische Brise zum lauen Lüftchen, als wir nachmittags die Elbe Ansteuerungstonne erreichen. Dann ist mal wieder der Yanmar dran! Leider steht auch noch die Tide gegen uns, so daß es doch spät abends wird, bis wir gegen 21:00 in Cuxhaven einlaufen. Für ein Willkommensbier im Clubhaus ist es schon zu spät, wir wandern weiter in die benachbarte „Sturmflut“ und sind froh, diesen letzten Sprung so angenehm geschafft zu haben.

Samstag mit der auflaufenden Flutwelle bis Wedel. 

Sonntag letzter Abschnitt bis in den Citysporthafen, wo Familie und Freunde Ariel und ihre Crew willkommen heißen. 

      

- Viel gesehen und gelernt in den letzten zweieinhalb Jahren! Schön wieder zuhause zu sein! -