Segel Yacht  A R I E L
 

2024 Algarve nach Norden



7.1

Mal wieder um vier Uhr Aufstehen. Trotz des frühen Morgens recht lange Schlange an der Gepäckaufgabe. Die Selbstbedienung, die nun stillschweigend vorausgesetzt wird, macht die Geschichte auch nicht schneller. Trotzdem alles pünktlich geschafft, und Punkt 6:00 hebt der Flieger ab nach Faro.

Ankunft eine halber Stunde früher durch starken Rückenwind. Auch der Bus fährt nach Fahrplan zwischen Faro und Portimão, so daß ich am frühen Nachmittag wieder auf ARIEL stehe. Die Leinen sehen gut aus, auch ansonsten alles so wie vor 9 Wochen zurückgelassen. Sehr beruhigend!

8.1.-10.1.
Seeklar machen: Segel anschlagen, alle Systeme starten, banges Hoffen, ob alles läuft – es läuft! Wasser tanken, Vorräte kaufen, Marina bezahlen und sich verabschieden.


11.1.
Sechs Uhr aufstehen. Es ist noch stockdunkel. Gemütliches Frühstück, Leinenverhau Schritt für Schritt auflösen, letzte Leine los und leise geht es bei vollständiger Flaute auf die Reise. Inzwischen ist es hell geworden und bald scheint die Sonne – fast wie im Sommer. Noch unter Motor erreichen wir am Nachmittag die Südwestkaps Portugals Ponta da Sagres und Cabo de São Vincente. 

Cabo São Vincente

Ab jetzt geht´s nach Norden. In der Nacht weht endlich der versprochene Südostwind und Ariel bekommt endlich wieder Flügel.

12.1.
In der Morgendämmerung liegt Cascais, das geplante erste Etappenziel an der Tejo Mündung voraus. Aber was soll ich da? Es läuft gerade so gut, da lasse ich es doch gern weiter laufen! Also leichte Kursänderung am Cabo Raso und Cabo da Roca vorbei, Richtung Peniche. Um 13:15 liegt ARIEL fest in Peniche. Kleine Reparatur einer Reffleine, die nun endgültig aufgespleißt ist.

13.1.
Gut ausgeschlafen geht es gegen Mittag weiter. Bei kräftigem Südost muß immer mal wieder gerefft werden, dann wieder ausreffen, Yankee raus, Yankee rein, Cutter setzen, Yankee doch gerefft dazu ... so bleibt es nicht langweilig Um 16:15 liegen wir fest in Nazaré

14.1.
Heute wieder früh aufstehen, denn ich will den guten Wind nutzen. Noch im Dunklen lege ich ab. Im stillen Hafen das Großsegel gesetzt und dann hinaus, um den Farol de Nazaré herum, immer die Riesenwellen, die hier an den Nordstrand donnern, vor Augen. Berlinga muß unbesucht links liegen bleiben. Der Wind ist so stark wie erhofft und wir schießen nach Norden. Figueira da Foz ist schon am frühen Nachmittag erreicht –also gleich das nächste Ziel angepeilt: Aveiro. Ab 17:00 wird es schon dämmerig, aber die Einfahrt ist ja gut befeuert. Vorsichtig taste ich mich in die Flußmündung. Bis die Segel geborgen sind ist, es dunkel. Nun noch den Ankerplatz in der Baia de São Jacinto finden! Die Einfahrt ist durch Tonnen gut gekennzeichnet, außerdem muß man nur der Fähre folgen, die den Ortsteil São Jacinto mit dem Hauptort verbindet. Außerdem herrscht durch das nahe Militärgelände eine gewisse Beleuchtung, daß man die zahlreichen unbeleuchteten Moorings nicht übersieht. Um 19:00: Fallen Anker, Kartoffelsuppe aufwärmen und Ruhe im Schiff!

15.1.
Der Wetterbericht droht Ungemach an: Ein Tief über den Azoren wandert in die Biscaya. Daher übermorgen Sturmgefahr mit Böen Beaufort 7-8! Also mal wieder möglichst den Tag noch nutzen. Beim ersten Lichtschimmer (ca. 7:30) gehe ich Anker auf, aber so schnell geht es heute nicht. Erst klemmt ein Schäkel, dann fliegt die Sicherung heraus, bis das Großsegel steht braucht es auch noch etwas Zeit. Dann kommt noch Nebel auf. So gegen 08:30 stehe ich in der Einfahrt. Hier herrscht zum einen reger einlaufender Fischerverkehr und andererseits hat sich schon eine beachtliche Dünung aufgebaut. 

Draußen auf See wird es erwartungsgemäß wieder ruhiger. ARIEL zeigt, was sie kann. Mit teilweise 9 kn geht´s dahin. Gegen Mittag zieht Porto vorbei. Póvoa de Varzim oder Viana do Castelo 19 sm weiter nördlich ist die Frage. Ich bin mal lieber vorsichtig und entscheide mich für das nähere Ziel. Um 15:50 mache ich in der Marina von Póvoa de Varzim fest.

16.1.
Den ganzen Tag war es ruhig! Da hätte ich doch noch.... Aber ab 17:00 pfeift es sich langsam ein. Na war doch besser hier zu bleiben!  Und am Abend geht's dann richtig los! ARIEL legt sich auf die Seite wie auf einem Amwindkurs. Die Schubladen rollen auf, müssen seefest gesichert werden. Irgendwelche Leinen im Mast rappeln, müssen gesichert werden. Allmählich baut sich auch Schwell im Hafen auf. Zur Vorsicht bringe ich doppelte Leinen aus. Es ruckst und ruppt doch erheblich. 

 17./18.1. Langsam lässt der Wind wieder nach. Aber der Hafen ist wegen Brandung in der Einfahrt gesperrt. Ich schaue mir das dort vorn mal an: In der Tat, da möchte ich ohne Not nicht durchfahren!! 

Hafeneinfahrt Póvoa de Varzim



19.1. Jetzt wieder alles ruhig, aber Nordwind. Da warte ich doch auf morgen, wenn Südost und Süd angesagt ist. 

„Wildes Unkraut“ am Meeresrand

Den „freien Tag“ nutze ich zu einem Ausflug ins südlich benachbarte Städtchen Vila do Conde. 

Lange Vorgeschichte: Kelten, Römer, portugiesischer Adel, reiche Karmeliterinnen, florierender Seehandel, Schiffbau, dann allmählicher Niedergang. Jetzt touristisch durchaus interessante Baudenkmäler, Plätze, Museen und Märkte. 

Fluß AVE - Blick aufwärts und zur Mündung
AVE- Mündung
An der Stelle des ehemaligen römischen Kastells und vermutlich der späteren gräflichen Burg steht heute das 1318 gestiftete Mosteiro de Santa Clara, ein ehemaliges Karmeliterinnenkloster.
Wochenmarkt - da gibts alles von Fisch über Gemüse zu Gartenwerkzeugen und Stoffen!
An der Apsis des Klosters endet das 7 km lange, auf 999 Bögen von 1705 bis 1714 errichtete Aquädukt, das von Terroso in den Bergen bei Póvoa bis nach Vila do Conde reichte und das Kloster mit Wasser versorgte.
Die Meerjungfrau des Bildhauers José Rodrigues auf der Praça João II, die an die Teilnahme der Stadt an den Abenteuern der Navigation im Zeitalter der Entdeckungen erinnern soll. Weitere Deutungen konnte ich nicht recherchieren ...


20.1. Strahlender Sonnenschein, ruhiges Meer und Südostwind. Um zehn Uhr biegen wir in respektvollem Abstand um die Hafenmole. Man kann sich kaum vorstellen was für ein Getöse und welcher Hexenkessel sich hier noch vor zwei Tagen abspielte. Zügig geht es nach Norden. Kurz nach 13:00 passieren wir Viana do Castel mit der weithin sichtbaren Wallfahrtskirche Sta. Luzia (siehe 2023). Dann der erhebende Moment des Flaggenwechsels. Die spanische Flagge ersetzt jetzt die portugiesische. Auch der Wind verabschiedet sich allmählich und für den Rest der Strecke muß der Motor mitschieben. 

Um 19:20 fällt der Anker vor der Burg von Bayona. Mein schlaues iPhone korrigiert die Zeitangabe. Richtig wir haben wieder MEZ also 20:20! 


21.1. 

Heute soll es am Nachmittag kräftig Wind geben. Dann mal schnell aufstehen, Anker hoch und den Wind noch nutzen, solange es geht. Zunächst mit allem, was wir setzen können, zwischen den Cies Inseln hinaus auf See. Dann erst Cutter weg, Yankee reffen, zwischendurch Yankee ausbaumen, dann Yankee ganz weg, Großsegel erstes Reff, Großsegel zweites Reff und ab und zu mal halsen. Einmal gibt’s eine Salzwasserdusche, aber ARIEL kommt ansonsten bestens mit der achterlichen See zurecht. In der Ria de Muros, dem Tagesziel, ist „die Chaussee noch ziemlich holperig“ und ich mache mir Gedanken um das Anlegemanöver. Aber hinter dem Cap Redondiño, wo die Marina liegt, hören die Wellen auf und ich kann in Ruhe das Großsegel bergen und alles klar zum Anlegen machen. Um 15:00 liegt Ariel sicher vertäut im Hafen. 

22.1.

Die Wahl des Hafens war gut. Ein Bergrücken hält den Südwind ab und ich verbringe eine ruhige Nacht. „What a wonderful world“ möchte man am Morgen gern ausrufen, aber wie sieht es wirklich aus?

Dunkel, Grau in Grau, Dauerregen, Nebel... 

Was bleibt da zu tun? 

  • a) Im Bett bleiben? 
  • b) Kräftig heizen und ausgedehnt frühstücken? 
  • c) Die „Fereteria“ besuchen. Da gibt’s alles zu kaufen: von der Kettensäge bis zum Kochtopf – auch die lang ersehnte Nietenzange, hier „remachadora“ genannt, aber natürlich aus China? 
  • d) Im GADIS Supermercado Lebensmittel aufstocken? 
  • e) Die „Lavandería“ aufsuchen und die Folgen der gestrigen Salzwasserdusche beseitigen? 


  • f) Lang aufgeschobene Reparaturen wie tropfende Schlauchverbindung abdichten oder den im Nirvana verschwundenen Schuhlöffel aus der Tiefe fischen, und dergleichen mehr...?

 (Antworten b bis f sind RICHTIG) 

Doch auch solche Tage haben ihre Idylle!


 23.1. 

Acht Schläge vom Kirchturm, Leinen los und rückwärts aus der Box. Es ist noch stockdunkel. Leichter Nieselregen. Die Fischer sind draußen schon fleißig, überall sehe ich Lichtpünktchen auf dem Weg aus der Ria de Muros. Um 9 Uhr ist es endlich hell. Ich setze die Segel und folge der Küste in gehörigem Abstand von etwa 3 sm, immer ca. 100 m Wasser unter dem Kiel. 

Einmal mehr: Kap Finisterre


Achterlicher Wind Bf 4-5. Der Schwell ist beachtlich und bricht sich eindrucksvoll an der Küste.

Schon um 15:00 biegt ARIEL in die Ria de Camariñas, hält respektvollen Abstand zu den Untiefen neben der Einfahrt nach Muxia und wird wenig später von der freundlichen Hafenmeisterin in der Marina in Empfang genommen. Endlich scheint auch mal wieder die Sonne!


24.1. 

Der Tag hat so schön begonnen: Um acht Uhr noch bei Dunkelheit und klarem Nachthimmel ausgelaufen. Flaute – also Motorfahrt. Lange Morgendämmerung 

und schöner Sonnenaufgang, 

dann zieht bei blauem Himmel ein Kap nach dem anderen vorbei. 

Aber damit ist um 12:00 Schluß: erst ein Quietschen, dann ein Rumps und dann steht der Motor. Wir stehen in der Flaute, eine Leine führt in die Tiefe, also in einer Hummerfalle gefangen. Ich kann die Leine zwar kappen, aber das bringt mich auch bei der Flaute nicht viel weiter. Deshalb:  Küstenwache anrufen, alles erklären; ja sie schicken jemand zum Schleppen, ist in einer Stunde da! In der Tat sehe ich nach einer Stunde ein rotes Salvamar Boot heranschießen. Alles geht professionell und routiniert: eine Wurfleine fliegt rüber, daran die armdicke Schlepptrosse mit zwei großen Gurtschlingen und dann geht´s mit 7-8 kn dahin. Trotz der Trossenlänge von über 100 m bei 3m Dünung eine heiße Fahrt! Dann vor dem Hafen von Malpica längsseits nehmen und ca. 20 m hinter brechenden Seen in den Hafen! Hier an einer Boje festmachen, der Taucher steht schon bereit und hat seinen Job nach 10 min. erledigt. Die Formalitäten dauern dafür länger. 

In der Abenddämmerung und später im Mondenschein weiter nach A Coruña, wo ich um 22:00 un den Hafen schleiche.


25.1. in A Coruña 

26.1. 

Tja nun liegt die Biscaya vor uns. Die Wetterbedingungen sind günstig: ein dickes Hoch liegt über der iberischen Halbinsel und wird etwas nach Norden wandern. Ein kleines Tief über den Azoren macht sich später auf den Weg zum Kanal, aber da hoffe ich schon in Brest zu sein. 

Zur Sicherheit lasse ich mir das Ganze noch von einem Wetterwelt-Experten bestätigen: ja, das Wetterfenster ist recht klein, aber ein Start heute wäre machbar. 

Und dann auch noch den Deutschen Wetterdienst zur Sicherheit:

Also dann los! Um 12:30 lege ich ab. Zunächst ist es schwachwindig, dann leichter Gegenwind aus Nordost. Bis zum Cabo Prior also mit dem Motor! Dann Segel setzen: Großsegel und Cutter, den guten Windpilot an die Pinne lassen (Windfahnenselbststeuerung – kostet keinen Strom) und Watt&Sea Generator ins Wasser (macht Strom für die Navigationselektronik). Hart am Wind geht´s dann auf die Reise. Zunächst noch etwas in Richtung Irland, aber es ist ja „Besserung“ d.h. rechtdrehender Wind vorhergesagt. Aus Nordwest kommt noch ordentlicher Schwell mit dem die Windsee sich kreuzt. Das macht die „Chaussee wieder mal recht holperig“. Das Land versinkt allmählich achteraus, ein paar Fischer kreuzen noch den Weg, dann sehe ich nur noch Wasser und Himmel. Der Vollmond taucht alles in ein Halbdunkel. Wie versprochen dreht der Wind über Ost nach Südost und ARIEL stürmt der Bretagne entgegen. Mal Yankee dazusetzen, wieder bergen, Großsegel reffen, wieder ausreffen, Yankee ausbaumen, weil der Wind fast achterlich kommt, dann wieder alles abbauen und schiften – Beschäftigungstherapie, damit mir nicht langweilig wird. Nebenbei etwas kochen, Krimi lesen, nachts Halbstundenschlaf. Der AIS Alarm meldet wieder Schiffsverkehr: Tanker und Frachter sind auf dem Weg vom oder zum Kanal. Sie scheinen mich gut wahrzunehmen und machen einen großen Bogen um den kleinen Segler. 

Am Sonntag um 13:30 habe ich die Westtonne der Chaussée de Sein erreicht und biege in Richtung Brest ein. Die Chaussée de Sein ist ein Gewirr von felsigen Untiefen, das sich von der Ile de Sein fast 20 sm weit nach Westen erstreckt. Hier steht der berühmt–berüchtigte, vielbeschriebene und bei Sturm viel fotografierte Leuchtturm Ar-Men.

Ar-Men ist der am weitesten vom Festland entfernte Leuchtturm, isoliert am Ende der Chaussée de Sein (Finistère), und wurde von seinen Wächtern als die Hölle der Hölle bezeichnet.

Mit einem Schaudern sehe ich ihn im fernen Dunst. Um ganz nach Brest zu kommen – sind von hier noch 30 sm – würde es doch spät in der Nacht werden. 

Deshalb laufe ich die gut geschützte Anse de Camaret an. Um 18:00 fällt der Anker – die Biskaya liegt hinter mir! 

 

27.1. 

 Guuut geschlafen! 

10:00 Anker auf und gemütlich durch die Goulet de Brest an den alten Kanonenbunkern vorbei in die Rade de Brest zur Anse du Moulin Blanc und in die gleichnamige Marina. Die erste Etappe „nach Hause“ ist geschafft!