USA 3

Nach zwei Monaten "Sommerferien" in Hamburg haben wir ARIEL wohlbehalten an ihrer Boje vorgefunden. Allerdings musste sie den die Möwen in der Zeit als Lande- und Krebsabwurfplatz herhalten. Trotz Abspritzens und Schrubbens bleiben die Folgen unübersehbar. 


31.8 - 2.9.

Weil es so schön war nochmal eine zweite Runde durch und um Manhattan herum. Das Management mit Strom und Tiden läuft fast im Unterbewusstsein. An Land herrschen bis 33° C bei hoher Luftfeuchtigkeit. MoMA und Metropolitan Museum of Art bieten wohl klimatisierte Erholung. 


3.9. Labor Day. Wir bereiten uns auf die Abreise aus dem ruhigen und sicheren Port Washington vor, da umkreist uns ein Motorboot der CUSTOMS and BORDER PROTECTION. Kurze Gewissenserforschung: Gemeldet habe ich mich doch in New York, aber es sind neue Mitsegler an Bord - vielleicht hätte ich das melden müssen - na mal sehen, was passiert. 

Und dann stehen schon vier kräftige Leute an Deck - zwei weitere beobachten alle vom Motorboot aus. 

Es folgt das Übliche: Woher, Wohin, Pässe, Cruising Licence, Logbuch, Flaggenzertifikat, Frage nach Waffen, Frage nach Drogen kamen nicht (waren wohl zu alt dafür). Nachdem alles zur Zufriedenheit vorgelegt und beantwortet werden konnte entspannte sich die etwas strenge Stimmung und mündete in ein freundliches Palaver über unsere Reiseerfahrungen im Allgemeinen und die kubanische Küche im Speziellen. Zum Abschied gab sogar noch ein „Familienphoto“!

Dann tuckern wir los. Leider kein Windhauch und der inzwischen sicher dicke Bewuchs am Rumpf kostet mehr als einen Knoten Fahrt. Abends fällt der Anker im idyllischen Naturhafen Cold Springs Harbor.


4.9. 

Mal wieder Toilettenalarm! Irgendwas ist an der Pumpe kaputt. Bisher war ich zu faul, die mitgebrachten Ersatzteile einzubauen, nun muss es sein! Glücklicherweise passen alle Teile und nach mehrfachen Anläufen (hier eine Schraube vergessen, dort noch eine Schlauchschelle aufstecken) können wir mittags in die Nachbarbucht starten. 

        

Die Ufer sind von palastartigen „Sommer“- Häusern mit noch riesigeren Strandgrundstücken gesäumt - das ist wahrlich der Speckgürtel von New York. Wir schlängeln uns in den Huntington Harbor, tanken, nehmen Wasser, kaufen Lebensmittel und ankern einsam im ruhigen Lloyd Habor.

 

 

 

 

Einfahrt nach Huntington Harbor

Ausfahrt Huntington Habor

 

Lloyd Habor


6.9.

Heute bei lähmender Hitze und kaum Wind Strandtag im Mt Sinai Harbor (unmittelbar östlich von Port Jefferson) geplant. Teils von einer lauen Nordbrise getrieben, teils vom Ebbstrom geschoben laufen wir in die von Sanddünen gesäumte Einfahrt ein. Neben einigen Marinas finden wir ein riesiges Bojenfeld, das wirklich die ganze große Bucht füllt. Mit einigen Mühen finden wir mehr schlecht als recht im hintersten Eck ein Plätzchen für unseren Anker. 

 

Eine Kaltfront naht!

  Nachmittags schiebt sich von Norden eine breite Wolkenfront heran - das muß die schon lange angekündigte Kaltfront sein. Wegen der Enge scheint mir der Platz für eine Kaltfront unpassend und wir gehen wieder ankerauf. Schnell mit Vollgas zurück nach Port Jefferson. 

Kurz hinter der Hafeneinfahrt frischt der Wind auf und wir ankern mit 50 m Kette auf 7 m Tiefe. Blitz-Donner-Regenschwall, das Schiff krängt, daß die (nicht gesicherten) Schubladen auffliegen. Der Windmesser sagt Bf 9. 

 

Und dann kommen auch noch die Nachbarschiffe immer näher! Bittere Erkenntnis: der Anker hält nicht!! Rasch ins Ölzeug, Vollgas gegen den Wind und den Anker wieder hochholen. Natürlich fliegt in diesem unpassenden Moment auch noch die Sicherung der Ankerwinsch heraus, Letztendlich ist der Anker ohne Schaden an den Nachbarschiffen wieder oben und wird neu ausgebracht. Aber da ist der Spuk auch schon fast vorbei.



12.9. bis 22.9.

Familie und Freunde an Bord - keine Zeit zum Schreiben!


Kurze Zusammenfassung:

12./13. In Clinton: Der Bewuchs läßt uns kaum auf 4 kn kommen. Das andauernde Vollgasfahren treibt den Dieselverbrauch in astronomische Höhen und tut dem Motor wahrscheinlich auch nicht gut. Deshalb Entschluß, das Boot aus dem Wasser zu nehmen und zu reinigen. Leider kündigt sich durch Donnergrollen in dem Moment als wir unter den Slip fahren ein Gewitter an. Das Risiko eines Blitzeinschlags ist den Werftleuten zu groß. Und überhaupt: eigentlich sei das Schiff auch zu groß und wir sollten doch einen größeren Kran suchen.


14. 9. Wir quälen uns also nach Mystic Seaport. Im Mystic Seaport Shipyard sind wir richtig! Wieder mal ausgesprochen freundliche, ja geradezu liebenswürdige Leute, die ARIEL von der ca 5 cm dicken Algen und Muschelschicht befreien.

 

 

Unterwasserschiff/ Propeller nach einem Jahr Karibik!

Die Crew kommt mittlerweile vollkommen begeistert aus dem Freilichtmuseum zurück. Seltene Exponate und Handwerkskunst der Gründerväter zum Anfassen!

Noch am gleichen Abend erfreuen wir uns an der wiedererlangten Schnelligkeit und besuchen den Nachbarort Stonington.


15.9. Block Island

Eine wunderschöne weitgehend naturbelassene Insel mit einem großen „Pond“ also See in der Mitte, der nach einem Durchstich zum „neuen Hafen“ wurde. Es ist Nachsaison und wir finden leicht eine freie Boje für erschwingliche $ 25. Der Hafenmeister erzählt, am Labor Day hätten sie 2.000 (!) Boote im Pond gezählt. Wir leihen uns Fahrräder und genießen die Mischung aus Sylt und englischem Seebad.

Der alte Hafen

 

Morgensonne im Salt Pond ) phot.; Schwarting

Am Abend kommt ein Beiboot vorbei und wir werden auf Deutsch gefragt, ob wir wirklich aus Kiel (Heimathafen von ARIEL) seien. Es stellt sich heraus, daß wir gemeinsame Verwandte bzw. Arbeitskollegen haben. Am Abend vertiefen wir das Gespräch bei ein paar Flaschen Wein an Bord einer schicken Motoryacht und erfahren viel Neues über Land und Leute. Kleine Welt!!!


16./17. 9 

Endlich mal wieder genügend Wind aus der richtigen Richtung! Wir rauschen beglückt von der neuen, alten Geschwindigkeit hinüber nach Newport. Erinnerungen an den letzten Aufenthalt auf ARCADIA kommen auf: Damals starteten wir von hier aus zum DCNAC Transatlantikrennen.

Jetzt ohne den Druck des bevorstehenden Regattastartes kann ich den Ort natürlich besser genießen! 

Wir besichtigen „The Breakers“, das berühmteste der Newporter „Sommer“häuser. Ein Palast der Familie Vanderbilt. Der ungeheure Reichtum, der da zur Schau gestellt wird, kann es mit jedem europäischen Königsschloß aufnehmen. Wirklich alles vom Feinsten. Tragischerweise konnte der Erbauer sein Haus nur einen Sommer nutzen, im zweiten Jahr erlitt er einen Schlaganfall und verstarb ein weiteres Jahr später.

 

The Breakers


Photogallerie "The Breakers": Meißner Porzellan/ Küche/ Flügel/ Musikzimmer/ Straßenfront


18./19./20.9. Sandwich

Es wird doch Herbst und die Winde rauer. Erst mal 4 Meilen gegen 6 Windstärken anbolzen, um aus dem Hafen zu kommen. Ein Motorboot überholt uns (Typ stäbiger Kutter) macht dann aber, als er quer zur See fahren soll, beängstigende Schlingerbewegungen und kehrt um. Wir rauschen dagegen mit gerefftem Großsegel und  Kutterfock nur so dahin und nutzen die Reste von FLORENCE auf sinnvolle Weise. Über Telefon kommen wieder „Flash flood“ Warnungen und bald stecken wir wahrlich in einem tropischen Regenguß. Aber das kennen wir ja schon. Am Abend reißt der Himmel auf und wir sehen sogar die Sonne wieder.

 

De Reste des ehemaligen Hurricanes FLORENCE ziehen ab!

 

 

 

 

Marschlandschaft bei Sandwich

An den beiden Folgetagen NE 6 .  Nach Cape Cod 20 Meilen gegenan?  Meuterei liegt in der Luft! 

Also gut wir nehmen einen Leihwagen und erforschen die erste Landungsstelle der Pilgrim Fathers mit dem mehr als merkwürdigen Monument auf diese Weise.

Pilgrimfathers Monument im italienischen Stil. Der Sinnzusammenhang wurde mir nicht ganz klar!


21.9. Boston

Flugtermine drohen!

Um 5:30 Wecken und im ersten Tagesgrauen aus dem Cape Cod Canal in Richtung Boston. Bei kräftigem SE Wind und blauem Himmel geht’s raumschots nach Norden und um die Mittagszeit tauchen die Wolkenkratzer von Boston am Horizont auf. Wir passieren einige kleine Inselchen mit dem ebenso pittoresken wie geschichtsträchtigen Boston Lighthaus. 

Boston Lighthouse

Im Hafen erwischen wir direkt an der neu belebten Waterfront eine letzte Mooring. Dusche und Waschsalon sind in der Miete enthalten und inzwischen auch notwendig.

 

Revitalisierte Waterfront von Boston

Kaum haben wir festgemacht frischt der Wind auf. Dazu ein rumpelndes an- und abschwellendes Geräusch. Merkwürdig! Hat unsere Boje eine lange Kette, die über felsigen Untergrund schleift? Oder vibriert der Mast im Wind. Oder schleift irgend etwas am Rumpf des Schiffes. Wir laufen mit dem Scheinwerfer um´s Schiff, leuchten ins Wasser und ins Rigg. Nichts zu erkennen! „Rumpum, rumpum, rumpum, RUMPUM, RRUUMMPPUUMM, RUMPUM, rumpum, rumpum, rumpum“. Es kommt bei einem Teil der Crew ernsthafte Sorge auf. Hm, Hm, Hm??????? Der Klabautermann???????

Klingt wie ein Zug! Das muß die Lösung sein!! Direkt unter dem Schiff verläuft die Metro hinüber auf die andere Hafenseite. Durch das Wasser werden die Fahrgeräusche laut und deutlich übertragen!

Die Blue Line verkehrt direkt unter ARIEL!

                             

Die Verbindung zum Flughafen ist  dadurch (leider) ideal; ab morgen geht´s allein weiter!


23./24.9. Gloucester/ Rockport

Herbstanfang!

Zwei Decken sind jetzt nachts schon erforderlich. Heute tagsüber angenehmer Sonnenschein. Ein lauer Luftzug bringt Ariel mit Motorunterstützung nach Gloucester, einem handfesten Fischerhafen ohne viel Tourismus, aber immerhin mit einem Seefahrtsmuseum, das einen fast hundert Jahre alten Schoner erhält und auch noch segelt. 

 

 

Der 31 m lange Schoner ADVENTURE, der größte "money maker" aller Zeiten: Er landete Fisch im Wert von 4 Millionen Dollar zwischen 1926 und 1954 an.

Diese Schoner waren ja die Mutterschiffe der kleinen Dorys, die den eigentlichen Fischfang besorgten. In Nova Scotia werde ich sicher noch mehr darüber erfahren.

 

  

Ein richtig schöner Schiffsausrüster!

Wegen starken Nordwindes bleibe ich in Gloucester und erkunde mit dem Bus das nördlich gelegene Künstlerdorf Rockport. In der Tat ein romantischer Ort, wie Gudjhem auf Bornholm (natürlich in Großformat).

Rockport



25.9. Portsmouth

Über Nacht hat der Wind wie vorhergesagt auf Südost gedreht. Nach einer halben Stunde Motorfahrt können die Segel gesetzt werden und Ariel rauscht mit acht Koten am Cape Ann vorbei nach Norden. 

 

 

 

Cape Ann ist glücklich umschifft und bleibt bei raumem Wind rasch zurück

Schon um die Mittagszeit erreiche ich Little Harbor südlich von Portsmouth. Das Plätzchen scheint mir geeignet, weil ich morgen den angesagten Südwind weiter nutzen will und nicht erst meilenweit nach Portsmouth hineinfahren muß. Leider sind die guten Ankerplätze mal wieder voller Moorings und nach zwei Ankermanövern bei schlecht sitzendem Anker gebe ich auf und verhole mich doch zum Portsmouth-Yacht-Club der Bojen anbietet. Leider sind die Bojenzügel so kurz, daß ich auch das erst mal aufgebe und an einer Boje mit der Aufschrift „Hand“ festmache. Inzwischen pustet es ordentlich, es gießt in Strömen und es herrscht ein Strom, daß sich die Welle im Leerlauf mit dreht. 

Aber Hauptsache erst mal fest! Ich freue mich auf die Reste des Linseneintopfes von gestern. 

Aber irgendwie plagt mich doch ein kleines schlechtes Gewissen. Ich rufe den Portsmouth-Yacht-Club mal an und tatsächlich meldet sich der Dockmaster. Ob ich denn an der Boje „Hand“ bleiben dürfte? Nein! Auf keinem Fall, die gehört einem Clubmitglied (womöglich gar dem Vorsitzenden???), also da müßte ich auf alle Fälle weg! Aber Boje 2296 sei frei dorthin soll ich mich verholen. Wegen des Finanziellen ruft er mich später nochmal an.

Grrrrr!!! Schön blöd! Wer zu viel fragt, kriegt auch mal eine unpassende Antwort. Inzwischen regnet es „cats and dogs“, viel Wind, viel Strom. Nützt ja nichts! Rein ins Ölzeug, Motor an und wieder durchs Bojenfeld kurven. An der richtigen Mooring angekommen, sehe ich, daß die Bojenzügel wieder viel zu kurz sind, um sie auf die Klampe zu bekommen. Im nächsten Anlauf werfe ich einfach eine schwere Leine über die ganze Boje. Sie schlingt sich um die Bojenkette und ich kann mich erst mal daran festhalten. Nun angle ich den eigentliche Bojenzügel und befestige zwei eigene Leinen, die ich dann ordnungsgemäß an den beiden Vorschiffsklampen befestige.

Nach einer Viertelstunde ruft mich der Dockmaster an. Aha, wahrscheinlich wird’s auch noch teuer! Ja, er hätte mich beobachtet und die Boje sei ja auch nicht in Ordnung; dann sei das Liegen heute umsonst und ich soll doch mal bei besserem Wetter wiederkommen!

"Thank you very much! I appreciate that!“ Also Leute auf nach Portsmouth! Sehr zu empfehlen!


26./27.9. Portland ME.  (es gibt auch ein P. in Oregon)


6 Uhr Aufstehen! Es ist jetzt frisch morgens. Aber der Südost muß genutzt werden. Ich manövrieren ARIEL durch die mit bunten Bojen markierten Lobster Pots. Bloß nicht so ein Ding in den Propeller bekommen! Nichts mit "Sebststeueranlage an und dann ins Deckshaus"! Vielmehr Aufpassen, wie ein Luchs! Endlich können die Segel gesetzt werden und wir rauschen nach Norden. Trotz frischen Windes liegen Nebelfelder auf dem Wasser und ich sehe teilweise nichts mehr. Von oben scheint aber die Sonne. Heimelig - unheimliche Stimmung. Erinnert etwas an die Nebelfahrt entlang der portugiesischen Küste. Schließlich verzieht sich der Nebel und wie bestellt tauchen Cape Elizabeth und Portland Light auf. 

 

Portland Light

Portland, die vielgepriesene „Haupt“-Stadt des atlantischen Maine. Beim Einlaufen liegen schon zwei Kreuzfahrtschiffe an der Pier. 

Tradition trifft Moderne

Ich erkundige mich nach einer Mooring. Nein Moorings haben wir dieses Jahr nicht mehr ausgebracht, der Eigentümer hat gewechselt und wir werden den Hafen im nächsten Jahr erweitern, da brauchen wir den Platz. Na dann greife ich mir ganz frech eine solide aussehende, freie Boje. Aber schon wieder das kleine schlechte Gewissen. Diesmal eine beruhigende Antwort: der Besitzer der Boje ist schon lange weg und wird wohl nicht gerade heute wiederkommen. 

Am nächsten Tag erstehe ich bei einem wunderbar traditionellen Schiffsausrüster meine kanadischen Karten, die mich nach Lunenburg bringen sollen. Dann mische ich mich unter die Kreuzfahrer und schlendere durch das Hafenviertel. Das hat sich auf die Touris eingestellt: viele Boutiquen, Souvenierläden, KNEIPEN, Cafés, Erlebnissegeltouren auf alten Schonern usw. 

 

So richtig trocken gehts an der Bar sicher nicht zu

 

 

 

 

Na ja, Ihr merkt schon -  ganz umgehauen hat mich die zweifellos hübsch zurecht gemachte Stadt nicht. Deshalb am nächsten Tag trotz leichten Gegenwindes Abfahrt.


28.8. New Harbor


Eigentlich war ja für heute ein weiterer Hafentag in Portland geplant. Aber nachdem die vorgesehene Reparatur der Lenzpumpe unnötig geworden war, weil sie nämlich nach Anziehen einer Schlauchschelle wieder funktionierte, gab es keinen Grund länger hier zu bleiben. 

Lange erlebnisarme Motorfahrt! Leider bis knapp in die Dunkelheit und dann mußte schnell ein Hafen her. New Harbor sollte war im letzten Büchsenlicht noch gerade zu erreichen. Aber, oh weh! Das kleine Häflein steckt dicht an dicht voller Moorings! Wo ist da ein Plätzchen für meinen Anker? Na da bleibt nur ein kleines Loch direkt neben der Einfahrtstonne, ideal ist der Platz nicht. 20 m hinter ARIEL brandet der Schwell in die Felsen. 

BlauerPunkt: Ankerplatz

Zur Vorsicht strecke ich alle zwei Stunden den Kopf aus dem Luk und kontrolliere die Lage. Alles liegt zum Glück im ruhigen Mondenschein. Morgens um vier laufende ersten Fischer aus und beleuchten den fremden Eindringling. 


29.9. Mt. Desert Island


Im Morgengrauen lichte ich den Anker. Schnell weg von dem ungemütlichen Platz!

Die vielen "Igel" können einen auf Trapp halten!

Die nächtliche Flaute hält an. Also Motor! Das wäre an und für sich ja nicht schlimm, bis auf den Krach und den Dieselverbrauch. Aber die Hummerkästen mit ihren bunten Bojen. So ein Ding in der Schraube und ich habe ein mächtiges Problem!!! Auch mit meinem schönen Taucheranzug möchte ich nicht ins Wasser, um das Ding wieder abzuschneiden…inzwischen ist dann das Schiff weg…. Also ich will es mir gar nicht weiter ausmahlen! Es bleibt nur eins: dauernder scharfer Ausguck und an manchen Stellen Zick-zack fahren. Ich habe kaum Zeit, mal ein Brot zu machen oder sonstige Bedürfnisse zu erledigen. Und die Dinger sind gemein! Im Wellental fallen sie um, sind also auf die Ferne nicht sichtbar; aber wenn die Welle sie anhebt, wupp, stehen sie auf wie ein Stehaufmännchen. Ich komme mir vor wie der Hase beim Wettlauf in Buxtehude: „Ick bün all dor“ sagen mir diese bunten Swinegel andauernd frech. Glücklicherweise kommt doch noch Wind auf. Segel hoch und Motor aus. Propeller in Segelstellung, nun kann nichts mehr passieren. Die Bojen schrabben mehrfach am und unter dem Schiff vorbei, rutschen aber dann immer wieder ab. Ich koche Kaffee und entspanne.  

Abends laufe ich im Nordosthafen von Mt. Desert Island ein. Rötliche Felsenküste, Bäume bis ans Wasser, dazwischen Holzhäuser, beschauliche Ruhe: ein bisschen Schweiz, ein bisschen Schwarzwald aber doch an der rauen See mit einem Tidenhub von 3 m und ordentlichen Gezeitenströmen! Also hier kann man´s aushalten (bis auf die Lobster pots - na ja davon leben die Leute aber hier!).

North East Harbor auf Mount Desert Island

1.10. South West Harbor Mount Desert Island

Inzwischen habe ich mich nach SW Harbor verholt, weil es in NE Habor wieder mal reichlich eng war.

Heute Landgang leider bei Regen. Der Bus hat genau am Dinghi-Landeplatz eine Haltestelle. Positive Überraschung: der Busverkehr ist kostenlos, Spenden werden gern angenommen! Es geht zuerst in die Inselhauptstadt Bar Harbor im Nordosten. Tiefe, dunkle Nadelwälder, dazwischen einige Laubbäume mit beginnender Rotfärbung, blaue Binnenseen, teils verlandete Moorseen mit Biberburgen, es fehlt nur noch der Elch, der über die Straße läuft.

Dann der Kulturschock in Bar Harbor. Eine einzige Touristenvergnügungsstadt. Trotz schlechten Wetters und fortgeschrittener Jahreszeit sind die Straßen und Andenkenläden voll. Zwei Kreuzfahrtschiffe auf Rede tun ihr Übriges. So ein kleines Zermatt! Nach einem kurzen Rundgang fahre ich gleich weiter entlang der Ostküste nach Süden zum Otter Cliff. Ja so habe ich mir Maine vorgestellt! Seht selbst: