Von St. John´s in den Norden



Seit Freitag ist die Crew vollzählig. Nach einem Großeinkauf sind wir eigentlich abfahrtbereit. Leider war das Gepäck in Frankfurt stehen geblieben und ohne Gepäck können wir nicht starten. Also Geduld ist gefragt.

Typisches Bild in St. John´s: der Nebel zieht in den Hafen


Montag, 1. Juli 2019 Abfahrt

St. John´s - Bonavista

Dicker Nebel! Immerhin ab Mittag guter Segelwind. Abends tropische Regenschauer.

Interessantes Wolkenbild

Dienstag, 2. Juli 2019

Bonavista - Seldom/ Fogo

Leider schwacher Gegenwind. Somit ein reiner Motortag.

Seldom auf Fogo hat uns sehr gut gefallen. Viel Wald und Wiesen. Eine Marina vor der renovierten Fischereigenossenschaft. Leider wegen Personalmangel alles geschlossen.


 


Mittwoch, 3. Juli 2019

Seldom - La Scie

Nochmal ein Motortag bis Cape John. Dann sozusagen zum Tagesausklang noch 5 Meisen unter Segeln entlang einer wild zerklüfteten Küste. Im Fischerhafen von La Scie wunderbare Duschen. „Liegegebühr CAND $ 20 und Gebühr von 5 CAN$/Kopf bitte unter der Tür des Geräteraumes durchschieben!“

Wilde Küste bei La Scie


Donnerstag, 4. Juli 2019

La Scie - Conche

Nach kurzem Segelversuch wieder lange Motorfahrt. Bei der Einfahrt beobachten wir wieder Weißkopfadler. 

 

 

 

 

Einfahrt nach Conche. Der Plotter sieht ARIEL im Schulhaus!!

Ein ehemaliger Fischer (jetzt Zimmermann) bringt uns reichlich selbst gefangenen Fisch und unterhält uns bei Gin Tonic mit Geschichten aus Newfoundland unterbrochen von irischen Gesangseinlagen. Es war nicht ganz einfach ihn anschließend wieder an Land zu bekommen!



Freitag, 5. Juli 2019

Nun noch die letzten paar Meilen bis St. Anthony, der letzten größeren Stadt. Auch heute hoffnungsvolles Segelsetzen, aber nach kurzer Zeit wieder die Stahlfock!

So haben wir seit St. Johns 200 l Diesel verbraucht.

Ansteuerung St. Anthony

  Hier können wir nun wie erhofft alle Vorräte ergänzen und freuen uns auf das unbekannte Labrador.

Hier die übliche Art, Diesel zu bunkern


Samstag, 6. Juli 2019

Wie schon die ganze Woche klingelt der Wecker um 4 Uhr. Ofen anzünden, Kaffeewasser kochen, Katzenwäsche, Minifrühstück und zusammen mit Tammo ablegen. Der Rest der Crew erträgt den Lärm beim Ablegen und schläft dann hoffentlich weiter. Erstmals erleben wir nach einer anfänglichen Schwachwindphase einen reinen Segeltag mit zum Schluß kräftigem Süd- bis SW Wind. 

morgendliche Aufbruchstimmung
Die Eisberge werden nun häufiger

Ziel ist der Museums Hafen von Battle Harbour. Zu den Glanzzeiten der Kabeljaufischerei war dies eine wichtige Durchgangsstation für alle Fischerfamilien, die mit Sack und Pack zu ihren Sommerfischgründen nach Norden zogen. Wir bewundern die liebevoll restaurierten Häuser inmitten der doch sehr rauen Umgebung. Die Häuser werden vermietet, ein Restaurant verpflegt die Gäste. Wir profitieren von heißen Duschen und Internet. Vermutlich für einige Zeit zum letzten mal, denn weiter nördlich wird es wohl wirklich einsam. 

Battle Harbour nach Norden


   

Sonntag, 7. Juli 2019


Bei Morgengrauen werfen wir mit etwas Trauer die Leinen in Battle Harbour los. Der Ort ist so liebevoll restauriert, daß wir gern alles noch genauer angeschaut hätten.

Draußen herrscht frischer Westwind und wir laufen mit guter Fahrtl der felsigen Küste entlang nach Norden. Die Eisberge häufen sich und nehmen bizarr gezackte Formen an. Zeit für einen Drohnenflug. Thorsten unser „Pilot“ startet das Fluggerät vom Deckshausdach. Nicht so einfach vom fahrenden Schiff, alle bisherigen Flüge erfolgten von festem Boden aus! Wir erhalten die ersten Bilder von Ariel unter voller Besegelung mit Eisberg im Hintergrund. 

 

 

 

 

Die Landung ist noch einmal aufregend, weil die Drohne nicht gewohnt ist sich auf einem (langsam) segelnden Schiff niederzulassen. Wir bergen sie im - ich sage mal - Häschermodus: durch kräftige Lederhandschuhe geschützt schnappe ich sie von unten ohne in die Rotoren zu kommen. 

Geschafft !!

Dann ein weiteres Highlight : der Squasho Run - eine fjordartige Durchfahrt begrenzt durch teils felsige, teils bewaldete Anhöhen.

Schließlich drehen wir an Owl Head vorbei ein in den Penny Harbour. Die Karte -auch auf dem Plotter - zeigt nur eine einheitlich blaue Fläche ohne Tiefenangaben. Aber dank unseres Segelführers wissen wir um die Untiefen und lassen in der vollkommen windstillen, menschenleeren Buch den Anker fallen. Der verfallene Steg am Ufer schien doch sehr alterschwach! Zwei der Hütten am Ufer scheinen noch in Schuß zu sein, die anderen verfallen….werden zu Geschichte. 

Penny Harbour, unser letzter Ankerplatz in Labrador


Donnerstag, 11. Juli 2019


Vierter Tag auf See. 

Am Montag haben wir um vier Uhr den Anker aus dem Kelp in Penny Harbour gezogen. Daß der Ankergrund nur leicht bewachsen sein soll, konnten wir nicht bestätigen. Es dauerte eine ganze Weile, diese großblättrigen Schlingpflanzen vom Anker zu lösen. Der Plan, noch bei Tageslicht die „Eisbergallee“ im Labradorstrom zu durchqueren ging auf. 

Bei Sonnenaufgang durchqueren wir die Eisbergallée des Labradorstroms

Bis zu 20 sm Landabstand schwammen noch die bizarr gezackten Riesen mit ihrem „Hofstaat“ an kleineren Growlern, danach lag die freie See vor uns. Einziger Wermutstropfen: der Wind. Der eigentlich erwünschte südliche Wind war wieder einmal zu schwach, um bei der aus mehreren Richtungen anlaufenden Dünung die Segel gefüllt zu halten. Also Motor!

Erst am Folgetag frischte der Wind auf und es herrschte Ruhe. Richtig gutes Segelwetter: Vollzeug, Sonnenschein, mäßige Dünung.

Aber aus dem Wetterbericht wußten wir ja, der Wind wird bald stärker und nach Nordost drehen. Also, so lange es geht, viel Ost gut machen und dann hart am Wind das anliegen, was wir an Höhe rausholen können. 

Die nebelige Nacht zum Mittwoch sah uns entsprechend mit doppelt gerefftem Großsegel und kleiner Cutterfock nach Norden rumpeln. Wie so häufig, schlug dieser Amwindkurs dem einen oder anderen auf den Magen. Gegen Mittag war das Schlimmste überstanden und es konnte wieder ausgerefft werden. Schließlich wieder unter Vollzeug - in die Flaute. Also Motor und Kurs auf unser Ziel Nuuk. Heute verspricht der Wetterbericht auf Südwest rückdrehende Winde. Mal sehen! Erstmal wecken guter Kaffee/ Tee und Rührei zum Frühstück die Lebensgeister.



Freitag, 12. Juli 2019


Bis Mitternacht lief es ganz gut, dann schlief leider der Wind ganz ein und der gute Yanmar mußte uns durch die Flaute schieben. Endlich sind wir auf der Breite von Cap Farwell.

Der Wetterbericht versprich südliche Winde um 20 Knoten. Ideal um uns nach Nuuk zu schieben. Allein der Blick auf das kaum gekräuselte Wasser löst Enttäuschung aus! Geduld! Geduld! Erst mal weiter Motorgebrumme!


Samstag, 13. Juli 2019


Am Abend erreichte uns der erhoffte Südwind. Um Mitternacht beginnt meine Wache. Dunkel wird es nicht mehr. es herrscht eine Art heller Dämmerung. Der Wind hat auf Bf 5-6 zugenommen. Der Yankee wird ausgebaumt und ARIEL fliegt mit einem Schaumknochen im Maul nach Norden. Das Log zeigt zeitweilig 10,7 kn. Zeit zum Reffen. Wir wollen zwar schnell nach Nuuk aber auch ohne Schäden. Um 8:22 kommt Land in Sicht: gletscherbedeckte scharfzackige Berge wechseln sich mit tiefeingeschnittenen Fjorden ab. 

Grönlands Küste taucht auf

Über UKW melden wir uns bei GREENPOS an und sind nun in die regelmäßige Überwachung einbezogen. Um 16:40 laufen wir in den Hafen von Nuuk/ Godthåb ein. 1.236 sm liegen seit St. John´s hinter uns. Alles und alle sind heilgeblieben. Im Seemannsheim warten heiße Duschen auf uns und Ralph verwöhnt uns einmal mehr mit einem köstlichen Fischgericht. 


Sonntag, 14. Juli 2019


Strahlender Sonnenschein! Nach einem ausgedehnten Luxusfrühstück schwärmt die Mannschaft aus. Nuuk erscheint mir nicht gerade eine städtebauliche Perle. Es zählt der Blick auf´s Meer und die umliegenden Berge.                          

Hans Egede (Missionar und Stadtgründer) Denkmal

Im Grönländischen Landesmuseum werden uns die verschiedenen grönländischen Bevölkerungsgruppen mit ihren teils uralten Kulturen erklärt. Kleidung, Waffen, Hausgeräte und Einrichtungsgegenstände bringen uns das Leben der verschiedenen Inuitkulturen, der nordischen Wikinger und der dänischen Kolonialzeit näher.

Unsere Liegeplatz am "Cutterkai"